Die Internet-Nutzung im Urlaub muss nicht teuer sein.

Im Ausland können Sie inzwischen richtig günstig surfen. Das setzt allerdings voraus, dass Sie Kostenfallen kennen und umgehen. Wir sagen Ihnen, worauf Sie achten müssen.

Wer das Ende der Roaming-Gebühren herbeisehnt, muss sich noch ein bisschen gedulden, weil diese erst im Dezember 2015 endgültig abgeschafft werden. So ist es jedenfalls vom Europäischen Parlament geplant. Noch fehlt die Zustimmung der Mitgliedsstaaten.

In der Vergangenheit wurden Surfer und Mobilfunknutzer im Urlaub regelrecht abgezockt. Ein Megabyte Datenvolumen über Flatrate im Inland kostete gerade mal einen Cent, während dieselbe Leistung im Ausland mal eben mit 20 Euro zu Buche schlug. Kein Wunder, wenn 94 Prozent der Befragten einer EU-Studie zufolge ihre Mobilnutzung reduzieren und rund die Hälfte das Smartphone im Ausland gar nicht erst einschaltet.

Roaming-Gebühren: Vieles ist besser geworden

Die schlimmsten Exzesse sind inzwischen Geschichte. Das ist aber noch gar nicht so lange her. So liefen bei einem Türkei-Urlauber vor rund zwei Jahren Hunderte Euro beim Wiedereinschalten des Handys am Flughafen auf. Für das Geld konnte man locker eine einwöchige All-inclusive-Reise buchen. Das Problem war, dass für die Türkei als Nichtmitglied der EU bis Mitte 2012 kein Kostenlimit galt.

Seit der dritten EU-Roaming-Verordnung ist das vorbei. Sie ist seit dem 1. Juli 2012 beim mobilen Datenroaming weltweit in Kraft. Der "Kostenairbag" für Mobilfunkanbieter mit Sitz in der EU sieht vor, dass diese ihren Kunden im Ausland höchstens 50 Euro netto im Monat in Rechnung stellen dürfen. Für Deutsche liegt das Limit bei 59,50 Euro.

Die gesetzliche Regelung klingt zwar verbraucherfreundlich, hat aber dennoch eine Lücke. Hierauf weist auch die hin. Sinngemäss formuliert sie dazu, dass der Kostenairbag nicht gilt, wenn der Netzbetreiber im EU-Ausland verhindert, dass der Roaming-Partner das Nutzungsverhalten seines Kunden in Echtzeit überwachen kann. Darauf ist der Kunde bei Einreise per SMS hinzuweisen. Da der Kunde den Hinweis manchmal viel zu spät erhält, können schnell 20 Euro pro Megabyte zusammenkommen. Dies ist jedoch nur in Nicht-EU-Ländern ein Problem.

Am besten informieren Sie sich über die aktuellen Regelungen vom Partner Ihres Providers im Ausland. Sie können das Roaming auf bestimmte Anbieter beschränken oder die Funktion für ein paar Stunden ganz abschalten. Sollte keine Warn-SMS eintreffen, können Sie sicher sein, dass das 60-Euro-Limit greift.

Neue EU-Höchstgrenzen für mobiles Internet

Zum 1. Juli 2014 wurde die Obergrenze für mobiles Telefonieren und Surfen erneut gesenkt. Für Handygespräche dürfen innerhalb der EU jetzt maximal 22,6 Cent (früher 28,5 Cent) und für ankommende Gespräche höchstens 6 Cent (früher 8,3 Cent) pro Minute berechnet werden.

Beim mobilen Internet ist die Kostensenkung noch deutlicher: Statt 53,5 Cent pro Megabyte sind jetzt nur noch 23,8 Cent zu zahlen. Während der SMS-Empfang kostenlos bleibt, sind für den Versand einer SMS statt 9,5 Cent jetzt nur noch 7,1 Cent fällig. Über die EU-Mitgliedsstaaten hinaus gelten die neuen Gebühren auch in Island, Liechtenstein und Norwegen. Davon ausgenommen sind die Schweiz sowie die Türkei.

Obwohl die Online-Preise gesunken sind, ist ein EU-Internetpaket während des Urlaubsaufenthalts in EU-Ländern ratsam, denn diese Pakete enthalten begrenzte Datenvolumen von inzwischen 100 bis 120 Megabyte pro Woche. Praktisch: Die Pakete enden automatisch nach einer Woche Laufzeit. Optional kann man sie aber jederzeit verlängern.

Ohne Paket werden die Gebühren nach verbrauchtem Datenvolumen berechnet. Maximum sind also 23,8 Cent pro Megabyte. Ein Cut-off-Mechanismus sorgt dafür, dass die Verbindung bei rund 60 Euro gekappt wird. Sind 80 Prozent erreicht, erfolgt eine Warnung per SMS.

Jeder Provider bietet unterschiedliche Konditionen und Preise fürs Ausland. Informieren Sie sich, ob der Geltungsbereich des EU-Pakets auch Länder ausserhalb der EU wie beispielsweise die Schweiz umfasst. Auslandspakete gibt es nicht nur für Kunden der Mobilfunkanbieter, sondern auch für Reseller-Verträge sowie für Prepaid-Karten.

Vorsicht: Auf offener See kann es teuer werden

Wenn Sie mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs sind, müssen Sie aufpassen. Gleich, ob Ostsee oder Mittelmeer - die Schiffe haben ein eigenes Mobilfunknetz, das über Satellit mit dem Internet verbunden ist. Informieren Sie sich daher genau über die Roaming-Kosten. Wenn Sie in Küstennähe unterwegs sind, ist der Landprovider auf jeden Fall günstiger. Das bordeigene WLAN ist in der Regel langsam und teuer. So kostet auf der AIDA die Stunde 20 Euro und die Woche mit Wochenpass 159 Euro.

Günstiger geht's im Ausland mit lokalen SIM-Karten

Für die meisten Nutzer reicht pro Woche ein mobiles Datenvolumen von 100 Megabyte aus. Es sei denn sie nutzen datenintensive Dienste wie App-Updates oder Videos. Bei vorzeitigem Erreichen des Limits kann man dasselbe Paket noch einmal buchen. Ein paar Euro, die nicht weiter ins Gewicht fallen.

Wer mehr Traffic hat oder ausserhalb der Europäischen Union Urlaub macht, kann auf WLAN ausweichen. Alternativ lässt sich die SIM-Karte eines ausländischen Providers erwerben, mit der eine Internet-Flatrate vor Ort gebucht werden kann.

Eine sortierte aktuelle Liste, die Preise und Konditionen ausländischer Provider enthält, gibt es auf Englisch oder Deutsch im Internet. " " zeigt die Internetversorgung durch alle verfügbaren Anbieter im Zielland. Wer seine SIM-Karte schon vor dem Urlaub kaufen möchte, kann sie bei einem Online-Händler wie Prepaid-Global.de erwerben.

Auch wenn die WLAN-Hotspots vieler Hotels, Restaurants und Verkehrsmittel im Ausland meist kostenlos sind, ist wenig über deren Sicherheit bekannt. Bei der Nutzung personalisierter, kennwortgeschützter Dienste wie E-Mail und sozialer Netzwerke per Smartphone sollten Sie dagegen vorsichtig sein.

Bei der Nutzung solcher Funkverbindungen sollten Sie Ihre übermittelten Daten immer verschlüsseln. VPN-Dienste wie Cyberghost VPN oder Hotspot Shield VPN bieten diesen Service für rund 30 Dollar jährlich. Es sind aber auch kürzere Zeiträume buchbar.© IDG