Sie sind jung, zielstrebig, ehrgeizig und technisch auf dem neusten Stand - aber dennoch auf Jobsuche. Neue Erhebungen des Bundes zeigen: Millennials sind am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen.

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Heutige Generationen sind doppelt so häufig arbeitslos als früher. Wie neue Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen, sind 5,5 Prozent der Millennials mit Geburtsjahr zwischen 1981 und 1996 im Alter von 28 Jahren erwerbslos. Bei der Generation X, also den über 39-Jährigen und der noch älteren Babyboomer-Generation, sind diese Werte deutlich tiefer. Wer heute ins Erwerbsleben einsteigt, hat es also viel schwerer einen Job zu finden als noch vor 30 Jahren.

Teufelskreis zwischen Arbeit und Erfahrung

"Der heutige Arbeitsmarkt ist hart. Die Situation hat sich in den letzten 30 Jahren klar verschlechtert. Viele Jüngere, die neu ins Arbeitsleben eintreten, merken, dass man sie gar nicht will. Das ist ein Schock für viele", sagt Daniel Lampart, Ökonom beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund zu "20 Minuten".

Bei vielen komme es zu dem, was Ökonomen "Vernarbungseffekt" nennen: Ohne Erfahrung gibt es keine Arbeit, aber wer nie die Chance bekommt, wird auch keine Erfahrung bekommen, um wiederum einen Job zu ergattern. "Wer einen schweren Einstieg ins Arbeitsleben hat, hat im Schnitt sein ganzes Leben lang mehr Mühe", so Lampart.

Profitdenken ist immer stärker geworden

Gründe für diese schlechte Grundlage gebe es viele. Vor 30 Jahren sei es nach der Ausbildung kein Problem gewesen, einen Job zu finden, wenn man schlicht gesund gewesen sei. Dann zogen laut Lampart seit den 90er-Jahren das Profitdenken in die Schweizer Wirtschaft ein. "Wie sich Firmen ihren Angestellten gegenüber verhalten hat sich fundamental geändert", ist sich der Ökonom sicher. Wirklich viele soziale Arbeitgeber gebe es nicht mehr viele, der Leistungsdruck sei enorm.

Berufseinstieg verzögert sich wegen Langzeitstudenten

Marco Salvi, Ökonom bei Avenir Suisse, sieht andere Gründe für die höhere Erwerbslosigkeit. Einerseits würden junge Menschen heute länger studieren, was den Eintritt in den Arbeitsmarkt nach hinten verzögere.

Andererseits hätten sich Frauen früher spätestens bei der Geburt des ersten Kindes häufig aus dem Arbeitsmarkt zurückgezogen und wurden dann in der Statistik als Nichterwerbstätige erfasst. "Heute bleiben sie zwar im Arbeitsmarkt, haben aber etwas mehr Mühe, die passende Stelle zu finden", so Salvi zur Plattform. Das liege auch an der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Schlussendlich seien auch die Ansprüche auf beiden Seiten gestiegen. Die Unternehmen seien laut Salvi wählerischer und "Millennials warten länger, bis sie die richtige Stelle gefunden haben."

Lösungsansätze: Mehr Unterstützung vom Arbeitgeber

Lamparts Meinung nach sollten sich Firmen ihrer Verantwortung wieder bewusst werden und mit kleinen Schritten helfen. Praktika etwa in ihrer maximalen Dauer einzuschränken, wäre ein kleiner Schritt, der sofort zu einer Besserung führen würde. Die Verantwortung liege aber auch bei den Millennials. "Unsere Generation will immer alles gleich sofort haben", sagt der 28-jährige Marcell Flor zu "20 Minuten". "Viele haben nicht die Ausdauer und die Geduld, lange an einem Arbeitsplatz zu bleiben." (jkl)  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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