Im Jahr 2016 stieg der Medianlohn in der Schweiz auf mehr als CHF 6.500. Das sind 313 Franken mehr als bei der letzten Erhebung des Bundesamts für Statistik (BFS) 2014. Der Abstand zwischen den höchsten und niedrigsten Löhnen sowie die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern verringerten sich leicht.

Mehr News aus der Schweiz

6.502 Franken brutto pro Monat für eine Vollzeitstelle: Darauf können durchschnittliche Schweizer Angestellte hoffen. Mit anderen Worten verdient genau die Hälfte ihrer Mitmenschen mehr als sie, die andere Hälfte muss sich mit niedrigeren Löhnen begnügen.

Dieser Durchschnittswert verdeckt jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den Branchen und den verschiedenen Landesteilen, wie die ersten Resultate der schweizerischen Lohnstrukturerhebung des BFS vom Montag zeigen.

Deutlich über dem Medianlohn liegen beispielsweise Löhne in Wirtschaftszweigen mit hoher Wertschöpfung wie Finanzdienstleistungen (9.742 Franken) oder Pharmaindustrie (9.835). Am unteren Ende der Lohnskala stehen Einzelhandel (4.798), Gastgewerbe (4.337) und persönliche Dienstleistungen (4.076).

Wer gut verdienen will, sollte besser im Kanton Zürich (6.869) leben als im Tessin (5.563). Die Löhne sagen allerdings noch nichts über die Lebenshaltungskosten aus, die zum Beispiel an der "Goldküste" von Zürich viel höher sind als südlich der Alpen.

Weibliche Führungskräfte werden bestraft

Das BFS gab nicht nur einen Überblick über die Löhne in der Schweiz. Es beobachtete auch deren Entwicklung zwischen 2008 und 2016. Die wichtigste Erkenntnis: Das Lohngefälle ist stabil geblieben und hat sich in diesem Zeitraum sogar tendenziell verringert. Der Gesamtabstand zwischen den höchsten und niedrigsten Löhnen verringerte sich vom Faktor 2,7 auf 2,6.

Die Löhne der am schlechtesten bezahlten zehn Prozent der Arbeitnehmenden, die weniger als 4.313 Franken pro Monat verdienen, haben sich um 9,9 Prozent erhöht. Das ist mehr als bei der Mittelschicht (+6,9 Prozent) und bei den am besten bezahlten zehn Prozent des Landes (+6,3 Prozent).

Ein weiterer Grund zur Freude: Während der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen 2008 noch bei 16,6 Prozent lag, verringerte er sich um mehr als vier Prozentpunkte auf 12 Prozent im Jahr 2016. Allerdings ist der Unterschied bei den Führungs- und Kaderfunktionen nach wie vor ausgeprägter, wo Frauen immer noch Schwierigkeiten haben, die so genannte Glasdecke zu durchbrechen. In Führungspositionen verdienen Frauen durchschnittlich 18,5 Prozent weniger als Männer. Ein Unterschied, der bei Frauen ohne Kaderfunktion "nur" 8,4 Prozent beträgt.

Eine weitere unrühmliche Realität: In der Schweiz sind 60 Prozent der Arbeitsplätze mit einem Gehalt von weniger als 4.500 Franken mit Frauen besetzt. Umgekehrt sind nur 16,7 Prozent der Stellen mit mehr als 16.000 Franken Lohn pro Monat in Frauenhand.

Ausländische Kader besser bezahlt

Schliesslich gibt es, wie das BFS bereits in seiner letzten Umfrage festgestellt hat, erhebliche Unterschiede in Bezug auf die Nationalität der Angestellten. Im Durchschnitt verdienen Schweizer fast 1.000 Franken mehr pro Monat als Ausländer (6.808 gegenüber 5.893) – bei Betrachtung der Gesamtwirtschaft.

Die Situation ist jedoch umgekehrt, wenn man in der Hierarchie aufsteigt: Schweizer Manager (10.136) verdienen weniger als Grenzgänger (10.750) oder Personen mit einer langfristigen (11.107) oder mittelfristigen (12.247) Aufenthaltsbewilligung.

Diese Zahlen scheinen zu bestätigen, dass Schweizer Unternehmen nicht zögern, die Geldbörse zu lockern, wenn es darum geht, die besten ausländischen Talente anzulocken.

Zoé Frei findet es ungerecht, dass Schweizer Männer wehrpflichtig sind und Frauen nicht. Um nicht als Heuchlerin zu ...

Übertragung aus dem Französischen: Sibilla Bondolfi

  © swissinfo.ch