Sind Sie es leid, als Angestellter oder Arbeiter immer nur für Ihren Chef zu arbeiten? Haben Sie den Eindruck, dass Sie sich in Ihrer Firma nicht richtig entfalten können? Dann gründen Sie doch selbst ein Unternehmen!

Wer träumt nicht davon, sein eigener Herr zu sein, keinen Chef zu haben, sondern selbst Angestellte zu führen und vielleicht auch mehr Geld zu verdienen? Nach Ansicht der Bundesregierung sind es immer noch viel zu viele, die daran kein Interessen haben. Pro Jahr werden in Deutschland zwar 400.000 Unternehmen neu gegründet. Was viel klingt, nimmt sich im internationalen Vergleich jedoch eher bescheiden aus. Was muss man können, wenn man sein eigener Chef werden will?

Sind Sie ein Unternehmertyp?

Das ist die erste und wichtigste Frage, die Sie sich stellen müssen, wenn Sie selbstständig werden wollen. Viele andere Aspekte ergeben sich direkt daraus, denn der Erfolg eines Unternehmens hängt massgeblich von der Persönlichkeit des Gründers ab.

Erst wenn die Antwort auf alle folgenden Fragen "Ja" lautet, können Sie sich mit dem nächsten Punkt befassen: Sind Sie risikobereit? Können Sie sich vorstellen, in den ersten Jahren 60 Stunden und mehr pro Woche zu arbeiten? Sind Sie diszipliniert, ehrgeizig und zielstrebig? Sind Sie ein kommunikativer Typ? Sind Sie körperlich fit? Können Sie nach der Arbeit gut entspannen? Traut Ihnen Ihr persönliches Umfeld eine Selbstständigkeit zu? Können Sie mit mentaler Unterstützung durch Ihre Familie rechnen? Sind Sie bereit, Verantwortung für Ihre Mitarbeiter zu übernehmen und zu arbeiten, wenn andere ihren Feierabend geniessen? Haben Sie Führungserfahrung und betriebswirtschaftliche Kenntnisse? Haben Sie genug Kapital, um eventuelle Durststrecken zu überstehen, auch ohne teure Kredite? Ja? Dann weiter!

Was ist Ihre Geschäftsidee?

Gründungsexperten empfehlen, sich die Geschäftsidee in einer Branche zu suchen, die man bereits gut kennt. Der wirtschaftliche Erfolg ist dann wahrscheinlicher. Ausserdem sollte man sich nach Möglichkeit von der Konkurrenz unterscheiden, also etwas anbieten, das es so noch nicht gibt. Es muss keine neue Erfindung sein, aber vielleicht ein Fortschritt in der Qualität oder den Eigenschaften des Produktes beziehungsweise der jeweiligen Dienstleistung. Wer mit einem "me-too-Produkt" startet, trifft auf einen etablierten Markt. Hier wird es schwer, als Neuling zu bestehen.

Stimmt der Plan?

Unumgänglich ist die Erstellung eines Businessplans, in dem alle wichtigen Fakten des neuen Unternehmens schriftlich fixiert sind. Dazu gehören der Name und die Rechtsform des Unternehmens, der potentielle Kundenstamm, die Art des Vertriebs, eine Konkurrenzanalyse, potentielle Lieferanten, eine genaue Beschreibung des Produkts, der Standort, der geschätzte Kapitalbedarf und noch einige andere Faktoren. Ob ein Businessplan richtig aufgebaut ist, kann man mit Hilfe von Internet-Checklisten überprüfen.

Zwingend ist der Businessplan nicht nur, um die eigenen - manchmal zu euphorischen - Einschätzungen auf den Prüfstand zu stellen. Er dient auch als Grundlage für den Erhalt von Fördermitteln und anderer Kredite. Das gilt für scheidende Angestellte ebenso wie für Existenzgründer, die aus der Arbeitslosigkeit kommen. Die Zeiten, in denen der Existenzgründerzuschuss für Arbeitslose eine Pflichtleistung darstellte, sind seit einigen Monaten in Deutschland vorbei. Heute liegen die Zahlungen im Ermessen der Mitarbeiter von Arbeitsagenturen - die genau auf den Businessplan schauen werden.

Wenn ihre Geschäftsidee klare Konturen angenommen hat und der Businessplan als plausibel gilt, sind Sie reif für den nächsten Schritt.

Lassen Sie sich professionell beraten!

Egal, ob Sie sich noch in der Planungsphase Ihres Unternehmens befinden oder schon jahrelang am Markt erfolgreich sind: Sie werden immer wieder den Rat von Experten brauchen. Für Newcomer empfiehlt es sich, die Gründungsexperten der IHK oder der Handwerkskammer zu konsultieren. Denn die praktischen Schritte zur eigentlichen Gründung, also der Weg zum Notar, die Kontoeröffnung und so weiter, sind zwar schnell vollzogen, doch nicht ohne Folgen. Wer schon bei der Unternehmensform, im Gesellschaftervertrag, bei der Satzung oder im Geschäftsführervertrag falsche Weichen stellt, kann später böse, sprich teure Überraschungen erleben. Was passiert, wenn ein Mitgesellschafter aussteigt? Wer erbt im Todesfall? Wer haftet bei Verlusten und Fehlern? Fragen, mit denen man sich zu diesem Zeitpunkt gar nicht beschäftigen will, die aber jetzt beantwortet werden müssen.

Später braucht man Unternehmensberater, die sich in bestimmten Geschäftsfeldern besser auskennen als der Unternehmer selbst. Wer eine Firma gründet, unterschätzt oft die Formalitäten, die damit verbunden sind. Von der Rechtsform des Unternehmens bis zur korrekten Buchführung, von der Lohnbuchhaltung über die Steuer bis zur Patentvergabe: Externe Beratung ist hier unerlässlich. Auch in Bezug auf die eigene Weiterbildung ist der Unternehmer auf gute Ratschläge angewiesen. Hier ist Menschenkenntnis erforderlich. Ein guter Unternehmer muss lernen, seriöse Berater von unseriösen zu unterscheiden.

Ungeachtet all dieser Notwendigkeiten gilt: Wenn Idee und Motivation stimmen, sollte man sich vor dem Papierkrieg nicht ängstigen. Es braucht zwar Geduld und Nerven - doch beides sind ohnehin Voraussetzungen zum Unternehmertum.

Klären Sie die Finanzierung!

Es kostet viel Geld ein Unternehmen zu gründen und in den meisten Fällen reicht das Eigenkapital dazu nicht aus. Das heisst, Sie müssen sich Geld leihen. Nicht immer ist dazu ein Bankkredit erforderlich. Es gibt zahlreiche Finanzierungskonzepte für Existenzgründer, bei denen das Ausfallrisiko minimiert ist. Vielleicht kennen Sie auch kompetente Kollegen, die ihr Geld oder ihre Leistung bei Ihnen einbringen wollen? Natürlich ist es von Vorteil, wenn Sie selbst über ein Finanzpolster verfügen. Denn gerade Banken gelten derzeit nicht als freigiebig mit Krediten und auch die Zahlungsmoral vieler Kunden lässt zu wünschen übrig. Als ideal gilt, wenn Sie mindestens drei Monate ohne Eingänge überstehen könnten. Gerade in der Anfangsphase einer Unternehmensgründung ist Liquidität oft wichtiger als Rentabilität.

Auch hier stehen die Idee und Ihre eigene Glaubwürdigkeit jedoch über allem. Finanzielle Probleme lassen sich lösen. Zweifellos gibt es mehr brachliegendes Geld als tragfähige Ideen. Wenn die Idee taugt und man Ihnen als Person die Umsetzung zutraut, werden Sie mehr Kapital bekommen, als Sie zur Verwirklichung des Geschäftes benötigen. Dann geht es eher um Konditionen. Bei Verhandlungen gilt: Den wertvolleren Teil halten Sie bereit: Ihr Konzept, Ihr Knowhow und Ihre Persönlichkeit.

Legen Sie los! Viel Erfolg!