• Das West-Nil-Virus, das auch für den Menschen eine Gefahr darstellt, könnte sich schon bald in der Schweiz ausbreiten.
  • Übertragen wird es durch Vögel und Mücken - eine Überwachung dieser könnte als Frühwarnsystem dienen.

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Das West-Nil-Virus verbreitet sich in Europa zunehmend über Vögel und Mücken und könnte bald auch in der Schweiz Einzug halten. Für den Menschen ist eine Infektion durchaus gefährlich, auch wenn sie nur bei 0,1 Prozent der Fälle zum Tode führt. Laut Experten gibt es bereits eine Art Frühwarnsystem.

Im Gespräch mit "20 Minuten" gibt Pie Müller, Einheitsleiter Vektorbiologie am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut, zunächst Entwarnung. Hierzulande seien bislang noch keine mit dem Virus infizierten Mücken "und soweit ich weiss auch keine infizierten Vögel" gefunden worden. "Allerdings werden die Mücken auch nicht systematisch untersucht, wie dies etwa in Italien der Fall ist."

Als eine Art Frühwarnsystem dient mittlerweile auch in der Schweiz die Untersuchung der Mückenpopulation auf das Virus, die allerdings nicht grossflächig und nach einem bestimmten System durchgeführt wird. "Seit einem oder zwei Jahren" würden lediglich "vereinzelt Mückenfallen im Tessin und in Graubünden aufgestellt", berichtet Müller. Dabei komme ein spezielles von seinem Institut entwickeltes Verfahren zur effizienten Virusidentifikation zum Einsatz.

Überdurchschnittlich warme und feuchte Sommer: West-Nil-Virus verbreitet sich aufgrund von Klimaveränderung

Dass bislang keine mit dem West-Nil-Virus infizierten Mücken in der Schweiz identifiziert wurden, heisst dem Experten zufolge nicht, dass das Virus nicht bereits Einzug gehalten hat. Sowohl die Hausmücke als auch die asiatische Tigermücke, die als Träger des Virus fungieren, seien hierzulande vertreten. "In verschiedenen Nachbarländern wurden bereits infizierte Mücken entdeckt, es ist also wohl nur eine Frage der Zeit, bis es auch in der Schweiz ist", sagt er. Als Grund für die Ausbreitung in Europa nennt Müller die überdurchschnittlich warmen und feuchten Sommer der vergangenen Jahre.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schliesst derzeit wie Experte Pie Müller nicht aus, dass sich das West-Nil-Virus, das nicht von Mensch zu Mensch übertragbar zu sein scheint, bald auch hierzulande ausbreitet. Die Folgen einer Infektion sind häufig harmlos, oftmals bemerken Betroffene sie gar nicht. Dennoch können Hirn- und Hirnhautentzündungen, die zum Tode führen, nicht ausgeschlossen werden. Bei rund einem Viertel der Infizierten treten allerdings lediglich Grippesymptome auf.  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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