Finger in die Ohren, Ruhe im Zwerchfell: Zehn Tipps gegen Schluckauf

Wenn sich das Zwerchfell verkrampft, sich zugleich die Stimmritze im Kehlkopf schliesst und die eingeatmete Luft dagegen prallt, entsteht das ungeliebte "Hicks". Diese Irritation ist unangenehm, vergeht aber meist innerhalb kurzer Zeit von selbst. Mit diesen Tricks bereiten Sie dem Spuk ein schnelleres Ende. © 1&1 Mail & Media/teleschau

Warum haben wir Schluckauf? Vollständig geklärt ist das Phänomen nicht, es gibt jedoch Theorien. Im Erwachsenenalter erfüllt das Gehickse vermutlich keinen Zweck mehr ...
Es wird vermutet, dass der Schluckauf für Babys im Mutterleib und möglicherweise auch im Säuglingsalter eine Art Schutzreflex ist, der verhindert, dass Flüssigkeit in die Luftröhre gerät. Das würde erklären, warum Babys so viel öfter hicksen müssen als Erwachsene.
Das Zwerchfell trennt Brust- und Bauchhöhle und ist ein wichtiger Teil der Atemmuskulatur. Ein Schluckauf entsteht, wenn diese Platte aus Muskeln und Sehnen sich plötzlich verkrampft, dabei Luft eingeatmet wird und sich zugleich die Ritze zwischen den Stimmbändern oben im Kehlkopf schliesst. Die ruckartig eingesogene Luft prallt dagegen und es macht "Hicks".
Was bringt das Zwerchfell derart zum Zucken? Oft wird der Schluckauf durch einen bestimmten Reiz direkt auf den Zwerchfellnerv, dem Nervus phrenicus, oder den Vagusnerv ausgelöst, der vom Gehirn durch Kehlkopf, Rachen und Brust in die Bauchhöhle läuft.
Ursachen für Schluckauf sind häufig zu heisse oder zu kalte Speisen und Getränke, zu hastiges oder zu viel Essen, Stress, Aufregung, Alkohol oder auch Nikotin.
Beim ganz normalen, akuten Schluckauf gibt es ein paar Tricks, um das Zwerchfell zu entkrampfen und die Atmung zu beruhigen. Das funktioniert zum Beispiel, indem der Kohlendioxidspiegel im Blut erhöht wird.
Die einfachste Methode, um den Kohlendioxidspiegel ansteigen zu lassen, ist, die Luft anzuhalten. Das sollte man allerdings etwa 30 Sekunden durchhalten, damit es auch tatsächlich wirkt.
Den Kohlendioxidspiegel im Blut kann man auch in die Höhe treiben, indem man in eine Papiertüte atmet. Hier ist allerdings etwas Vorsicht geboten. Diese Massnahme sollte auf keinen Fall zu lange ausgeführt werden, sonst kann es zu Schwindel oder schlimmstenfalls einer Ohnmacht kommen!
Die Zunge kann auch dabei helfen, den Schluckauf abzustellen: Zunge heraus strecken oder nach hinten rollen und gegen den Gaumen drücken fördert die Bauchatmung. Leichtes Ziehen an der Zunge wiederum kann den Vagusnerv stimulieren und einen beruhigenden Effekt haben.
Denn auch zu den Ohren hat der Nervus vagus (Lateinisch für umherschweifend) eine Verbindung. Er kann auf diese Weise erneut gereizt werden, was sich beruhigend auf die Muskeln zwischen Brust- und Bauchhöhle auswirken kann.
Ist auch einen Versuch wert: ein Glas eiskaltes Wasser trinken. Der gleiche Reiz, der einen Schluckauf auslösen kann, kann ihn möglicherweise auch wieder abstellen.
Auch wenn das Wasser nicht eiskalt ist, hilft trinken - in kleinen Schlucken oder indem man sich beim Schlucken die Nase zuhält. Das wirkt dann vermutlich auf Vagusnerv und Zwerchfellnerv gleichzeitig.
Eine besondere Anti-Schluckauf-Methode hat während der Filmfestspiele in Cannes im Jahr 2014 die Reporterin Jada Yuan auf einer Party beobachtet und für "Vulture" aufgeschrieben: Hollywood-Star Jennifer Lawrence wurde von Schluckauf geplagt und wusste selbst ganz genau, was ihr helfen würde. Sie bat um Wasser und eine helfende Hand ...
Die hicksende Jennifer Lawrence streckte die Arme in die Höhe, während "Tribute von Panem"-Co-Star Josh Hutcherson ihr Wasser einflösste und sie trank, senkte sie ihre Arme sehr, sehr langsam ab. Wie Reporterin Yuan bei "Vulture" berichtete, war danach der Schluckauf tatsächlich weg.
Der Vagusnerv passiert auch den Rachen. Wer an Schluckauf leidet, kann versuchen, ihn dort zu reizen: durch Gurgeln. Gleichzeitig wird beim Gurgeln automatisch die Luft angehalten.
Vielleicht ist auch ein Positionswechsel die Lösung: Indem die Beine fest an den Brustkorb gezogen werden, wird der Brustraum zusammengepresst und das zuckende Zwerchfell möglicherweise entspannt. Funktioniert im Sitzen ebenso wie im Liegen.
Bei diesem Klassiker kommt das Prinzip Ablenkung zum Tragen: Denken Sie an die Namen von drei Glatzköpfen. Entweder hat das Denken an etwas völlig anderes als den Schluckauf den gewünschten Effekt und lässt ihn verschwinden ...
... oder es hat einfach so lange gedauert, sich an drei Herren ohne Haare zu erinnern, dass der Zwerchfellkrampf von alleine aufgehört hat. Alternativ können Sie auch darüber nachgrübeln, was es vor drei Tagen bei Ihnen zu essen gegeben hat.
Normalerweise ist Schluckauf eine rasch vorübergehende, unangenehme, aber harmlose Erscheinung. Sollten allerdings gleichzeitig Symptome wie Schwindel, Lähmungserscheinungen oder Sehstörungen auftreten, heisst es keine Zeit mit Tipps und Tricks verlieren und gleich den Notarzt rufen! Dann kann der Schluckauf zum Beispiel ein Anzeichen für einen Schlaganfall sein.
Ausserdem darf Schluckauf kein Dauerzustand sein. Wenn er häufig auftritt, über viele Stunden anhält oder wenn er von Bauchschmerzen, Sodbrennen oder anderen Symptomen begleitet wird, sollt ein Arzt abklären, ob dem eine Erkrankung zugrunde liegt, die behandelt werden muss.