Ist das Schweizer Wasser doch nicht so rein, wie bisher angenommen? Erst wurden im Grundwasser chemische Stoffe gemessen, nun fanden sich auch im Trinkwasser einiger Schweizer Gemeinden Pestizide - doch die werden in Untersuchungen nicht berücksichtigt.

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Die Qualität des Trinkwassers in der Schweiz sei gut, berichten Kantonschemiker. Trotzdem lassen die Ergebnisse aufhorchen, denn: In über der Hälfte der rund 300 Trinkwasserproben wurden Pestizide und deren Abbaustoffe festgestellt.

Diese Pflanzenschutzmittel und ihre Abbauprodukte lagern sich im Boden ab und belasten Grund- und Trinkwasser noch über Jahre hinweg. Rund 170.000 Schweizer bekämen demnach verunreinigtes Hahnenwasser.

Es steckt noch mehr dahinter

Wie der "SRF" berichtet, sei das jedoch auch nur die halbe Wahrheit. Bei den aufgeführten Rückständen handle es sich nur um den Anteil, den das Bundesamt für Veterinärwesen und Lebensmittelsicherheit (BLV) als "relevant" für die Gesundheit einschätze.

Tatsächlich befänden sich noch weitaus mehr Abbauprodukte von Pestiziden im Grundwasser. Diese jedoch seien vom BLV nicht klassifizierbar, also gäbe es hierfür auch keine Grenzwerte.

Gerade Stoffe wie Chlorothalonil etwa gelte für die EU-Lebensmittelbehörde aber als krebserregend - taucht in der Klassifizierung wegen "Nicht-Relevanz" jedoch nicht auf. Würde man diese und andere Abbauprodukte mit berücksichtigen, würden demnach sogar 380.000 Schweizer Trinkwasser mit Pestizidrückständen konsumieren.

Chemiker fordern eine Neubewertung

Doch wie soll es künftig mit dem Trinkwasser weitergehen? Während der BLV seine Messungen verteidigt, fordern Kantonschemiker wie Kurt Seiler eine Neuüberprüfung der Stoffe. "Für den Vollzug wäre es am einfachsten, wenn es einen Höchstwert für alle Abbauprodukte gäbe", findet er. Zusätzlich dazu fordert er, auch Stoffe, die zuletzt in den 70er- und 80er-Jahren zugelassen wurden, neu zu überprüfen und Wissenslücken zu schliessen.

Auch Juliane Hollender, Leiterin für Umweltchemie an der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung & Gewässerschutz wäre lieber vorsichtiger in der Bewertung von Abbaustoffen: "Lieber vorsorgend einmal mehr restriktiv sein, anstatt zu sagen, das ist kein Problem." (jkl)  © 1&1 Mail & Media / SN