• Derzeit konzentrieren sich alle Kapazitäten des Gesundheitsapparats auf die Bekämpfung des Coronavirus.
  • Das BAG befürchtet deshalb eine Ausbreitung anderer ansteckender Krankheiten.

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Durch die Bekämpfung der Corona-Pandemie ist das Gesundheitssystem derzeit stark ausgelastet. Viele Kantonsärzte fürchten sich deshalb vor einer Ausbreitung anderer übertragbarer Krankheiten, wie aus einem Protokoll des Bundesamts für Gesundheit (BAG) hervorgeht, das der Zeitung "SonntagsBlick" vorliegt.

Zu den aktuell vernachlässigten Krankheiten zählen insbesondere solche, die durch sexuelle Aktivitäten übertragen werden. Einige HIV-Zentren mussten beispielsweise aufgrund von Engpässen beim Personal schliessen. Laut dem Papier des BAG ist es "bedenklich, dass wegen COVID für andere Infektionskrankheiten keine Test- und Beratungskapazitäten mehr zur Ver­fügung" stehen. "Mittel- und langfristig dürfte eine solche Si­tuation zu gravierenden Problemen führen."

Erst Anfang des Monats veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Bericht, in dem sie vor einer Ausbreitung des HI-Virus warnt. Der Grund: Die Bekämpfung des Coronavirus führt weltweit zu einer Unterbrechung der Versorgungsketten. Die Belieferung mit Medikamenten stagniert insbesondere in ärmeren Ländern, knapp eine Million Menschen warten rund um den Globus auf eine Behandlung. Die WHO befürchtet "150.000 zusätzliche Todesfälle durch Aids".

Hierzulande konzentrieren sich die Sorgen der Experten nicht auf eine medizinische Unterversorgung der Bevölkerung, sondern auf einen Anstieg der unerkannten Infektionen. Wie "SonntagsBlick" auf Anfrage erfuhr, stagnierten die Besuche in Zentren sexuell übertragbarer Krankheiten schweizweit während des Lockdowns um 80 Prozent, die Anzahl der durchgeführten Tests reduzierte sich ebenso drastisch.

Infektiologe warnt: Verpassen "einen Teil der Neuansteckungen" mit HIV

Infektiologe Huldrych Günthard von der Universität Zürich erkennt negative und positive Auswirkungen der Pandemie auf die Ausbreitung von HIV. Man werde "möglicherweise einen Teil der Neuansteckungen verpassen", sagt der 59-Jährige. Durch die geltenden Kontakteinschränkungen könne sich allerdings auch die Zahl neuer Ansteckungen eine Zeit lang reduzieren - insgesamt "um bis zu 30 Prozent".

Langfristig sieht Günthard die Situation dennoch kritisch. Er befürchtet, "dass die Leute nach dem Ende der Einschränkungen durch die Corona-Massnahmen eventuell eine Überkompensation betreiben könnten" und die Ansteckungszahlen erneut ansteigen. Hinweise auf das bestehende Testangebot für sexuell übertragbare Krankheiten seien deshalb gerade jetzt wichtiger denn je © 1&1 Mail & Media/spot on news

Donald Trump hat jetzt doch Corona-Konjunkturpaket auf den Weg gebracht

Der amtierende US-Präsident Donald Trump hat ein vom Kongress mit überparteilicher Mehrheit beschlossenes Corona-Konjunkturpaket mit seiner Unterschrift in Kraft gesetzt. Zuvor hatte er sich noch dagegen gewehrt.