• In der Schweiz grassieren zwei ansteckende Corona-Mutationen.
  • Deutlich mehr Menschen müssen in Quarantäne.
  • Der Leiter des Contact-Tracings spricht von Herausforderungen, ist aber positiv gestimmt.

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Sie wurden in Südafrika und Grossbritannien entdeckt, haben ihren Weg aber längst auch in die Schweiz gefunden. Aufgrund der beiden neuen, deutlich ansteckenderen Corona-Mutationen sind Contact-Tracing-Teams mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Da das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verlangt, dass sich auch Kontaktpersonen zweiten Grades in Quarantäne begeben, haben Andreas Juchli und sein Team alle Hände voll zu tun.

Der Arzt ist operativer Leiter des Contact-Tracings des Kantons Zürich. Etwa 150 Personen sind dort mit der Nachverfolgung von Kontakten beauftragt, eine eigene Taskforce mit 40 Mitarbeitern kümmert sich allein um Fälle mit Mutationen.

Bisher sei die Taskforce lediglich über Einzelmeldungen aus den Labors informiert worden - zum Glück, sagt Juchli "20min.ch". "Passieren mehrere solche Ausbrüche gleichzeitig im Kanton, so bedeutet das eine grosse Belastung für das Contact-Tracing."

Schliesslich müssten mittlerweile nicht mehr nur die Kontakte der positiv getesteten Person der vergangenen fünf Tage informiert werden. Nach Vorgaben des BAG gilt es nun auch, alle Kontakte der Kontaktpersonen unter Quarantäne zu stellen. Aus Erfahrung könne der Mediziner sagen: "Auf einen Infizierten kommen mit der neuen Regelung bis zu 65 Personen, die in Quarantäne müssen."

Leiter des Contact-Tracings optimistisch: "Wir können schnell viel Kapazitäten freimachen"

Die Ausbreitung der Virus-Mutationen im Keim zu ersticken, scheint unmöglich. "Diesen Flächenbrand noch komplett zu verhindern, ist wohl wenig realistisch", sagt Juchli. Aber: "Wenn wir es nicht versuchen, haben wir eh schon verloren." Die Taskforce sei seiner Meinung nach ein guter Anfang, der "schnell weiter ausgebaut" werden könne.

Hilfreich sei es zudem, dass die Fallzahlen in den vergangenen Tagen und Wochen rückläufig waren. Der Mediziner gibt zu: "Was wir so nicht erwartet haben." Daraus ergebe sich nun jedoch ein entscheidender Vorteil.

"Weil wir uns auf steigende Fallzahlen nach den Festtagen eingestellt haben, können wir schnell viel Kapazitäten freimachen, sollte es zu einem grösseren Ausbruch mit mutierten Viren kommen." Würde das Contact-Tracing-Team gute Arbeit leisten und Infektionsketten unterbinden, "retten wir damit letztlich 60 bis 100 Menschen pro Tag das Leben".  © 1&1 Mail & Media/spot on news

WHO: Ansteckendere Corona-Variante bereits in 60 Ländern nachgewiesen

Die in Grossbritannien entdeckte Virus-Mutation wurde mittlerweile in 60 Ländern nachgewiesen. Das sind zehn Staaten mehr als noch vor einer Woche. (Teaserbild: REUTERS/Toby Melville)