• Der Bundesrat hat einen Teil-Lockdown und damit strengere Corona-Regeln eingeführt.
  • Gesundheitsminister Alain Berset will damit eine "brutale, dritte Welle" verhindern.
  • Während sich in der SVP Widerstand regt, sind Experten froh über die ergriffenen Massnahmen.

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Einschränkungen für private Treffen und öffentliche Ansammlungen, Homeoffice-Pflicht, Ladenschliessungen: Der Bundesrat hat neue Massnahmen im Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus beschlossen, die ab kommenden Montag (18. Januar) gelten werden. Die Reaktionen auf den Teil-Lockdown fallen unterschiedlich aus.

Die SVP sei konsequent gegen die Schliessung von Läden und die weitere Schliessung von Restaurants, sagte SVP-Fraktionspräsident Thomas Aeschi laut "20 Minuten". Der Schweiz drohten eine Massenarbeitslosigkeit und eine Massenkonkurswelle. Der Bundesrat treibe die Schweiz in die Armut, sagte Aeschi.

Die Partei sei schockiert, "dass namentlich SP-Bundesrat Berset nichts unternimmt, um das Virus an der Grenze abzuhalten". Mittels Schnelltests sollte an der Grenze die Einschleppung des Virus verhindert werden.

Experte: "Schweiz sieht sich endlich nicht mehr als Insel"

Experten hingegen begrüssen die neuen Massnahmen. "Die Schweiz hat endlich eingesehen, dass sie keine Insel ist", erklärte Jan Fehr, Professor und Leiter des Departements Public & Global Health an der Universität Zürich, im Interview mit "20 Minuten".

Der Entscheid sei absolut nötig gewesen und man müsse nun hoffen, dass er ausreicht, um die Situation in den Griff zu bekommen. Für Fehr gehen die Massnahmen sogar nicht weit genug.

Kritik an Nichtschliessung der Skigebiete

Die Skigebiete offenzuhalten, ergebe schlicht keinen Sinn, sagte der Experte. Das gemeinsame Fahren im Auto, in den öffentlichen Verkehrsmitteln und der Gondelbahn fördere die Mobilität und die Durchmischung von Haushalten und damit die Gefahr von Ansteckungen.

Nicole Probst-Hensch, Leiterin des Departements Epidemiologie und Public Health am Swiss TPH, übt weniger Kritik an der beibehaltenen Öffnung der Gebiete: "Wir haben kaum Evidenz, ob sich beim Skifahren viele Leute anstecken. Und es ist wichtig, dass die Leute noch nach draussen und sich bewegen können", sagte sie "20 Minuten".

Der neue Beschluss sei ein Kurswechsel des Bundesrats und "mit den harten Massnahmen nähern wir uns der Strategie an, die viele europäische Länder schon länger fahren", erklärte Probst. Die Ressourcen müssten jetzt auf die zwei Impfstoffe konzentriert werden, der harte Lockdown könne dabei helfen.

Einschränkungen werden trotz Impfungen bleiben

Fehr betonte, dass Impfungen ein "logistisches Megaprojekt" sind, das viel Zeit benötigt. Die ganze Hoffnung nur auf die Impfstoffe zu setzen, wäre deshalb verfehlt. "Wir werden noch monatelang mit Einschränkungen leben müssen." Auch Probst stellte klar: "Die Hygiene-Massnahmen, das Social Distancing und die Masken werden auch während des Lockdowns und darüber hinaus zentral bleiben."

Die Massnahmen sind zunächst befristet bis zum 28. Februar 2021 © 1&1 Mail & Media/spot on news

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