• Die Hygienemassnahmen in der Corona-Pandemie haben nicht nur dafür gesorgt, dass sich das Coronavirus schlechter verbreiten kann.
  • Auch die Influenza konnte nicht grossflächig grassieren – und die Menschen keine Immunisierung entwickeln.
  • Experten halten es daher für möglich, dass nach der Corona-Pandemie eine heftige Grippewelle droht.

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Die Hygienemassnahmen in der Corona-Pandemie haben bewirkt, dass sich auch andere Krankheiten nicht grossflächig ausbreiten konnten. Dazu gehört etwa die Influenza. Die deutsche "ÄrzteZeitung" berichtete bereits vor einigen Tagen darüber, dass es seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie kaum RSV- (Respiratorisches Syncytial-Virus) und Grippeerkrankungen gegeben habe.

Die Bevölkerung habe keinen "Boost" im Umgang mit den Erregern erfahren, erklärte Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Jena. "Das bedeutet auch, dass alle Kinder, die während der Pandemie geboren wurden, bislang über keine RSV-Immunität verfügen", fügte er an. Pletz gehe von schweren postpandemischen RSV- und Influenza-Epidemien aus. Unterstützt wird diese Annahme durch eine US-amerikanische Studie. Dabei wurde festgestellt, dass die Bevölkerung nach Saisons mit niedrigen Influenza-Infektionszahlen deutlich angreifbarer in folgenden Saisons ist.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für die kommende Influenzasaison in Deutschland demnach eine Hochdosis-Impfung für Menschen ab 60 Jahren. Ähnlich wie Mathias Pletz äussert sich auch Huldrych Günthard, Infektiologe am Universitätsspital Zürich, laut dem Nachrichtenportal "20min.ch". Auch er halte eine Influenzawelle im Winter für möglich. Durch die Hygienemassnahmen hätten die Menschen in der vergangenen Saison weder Abwehrkräfte entwickeln noch diese auffrischen können.

Bundesamt für Gesundheit rechnet nicht mit starker Grippewelle

In einer starken Grippewelle sei es für ältere Menschen und Risikopersonen wahrscheinlicher, einen schweren Verlauf zu erleiden. Für über 60-Jährige empfiehlt deswegen auch Günthard eine Grippeimpfung. "Ideal wäre eine hohe Grippeimpfungs-Quote von 60 bis 70 Prozent bei Risikopatientinnen und -patienten sowie älteren Menschen", erklärt er.

Das Thema besorgt auch die Politik. Mitte-Nationalrat Philipp Matthias Bregy fordert das Bundesamt für Gesundheit (BAG) dazu auf, ein Szenario vorzubereiten und eine Kampagne zu Förderung der Grippeimpfung zu lancieren. BAG-Sprecher Yann Hulmann jedoch erklärt, dass er die Befürchtung einer starken Grippewelle nicht teile.

"Da weniger Menschen infiziert waren, konnten die Influenzaviren auch viel weniger mutieren, das heisst, weniger abweichende Virenstämme entwickeln. Wir rechnen daher in Europa und in der Schweiz bei Wegfall der COVID-Massnahmen bis in den Herbst, im Winter mit einer relativ normalen Grippewelle", führt er aus. Demnach finde wie auch in den Vorjahren 2021 keine Grippeimpfkampagne statt.  © 1&1 Mail & Media/spot on news

Corona-Massnahmen hatten Einfluss auf Übertragung anderer Krankheiten

Die Fallzahlen anderer Infektionskrankheiten sind aufgrund der Corona-Pandemie zurückgegangen. Dazu zählen unter anderen die Grippe, Windpocken und Tuberkulose. Laut einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts sind es 35 Prozent weniger als erwartet.