Trotz steigender Corona-Fallzahlen in der Schweiz ist Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga guter Dinge. Die Schweiz habe "vieles richtig gemacht". Trotzdem gibt die Politikerin zu, dass einige Entscheide wie die Maskenpflicht schon früher hätten kommen sollen.

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Simonetta Sommaruga könnte ihre Sommerpause geniessen. Die Bundespräsidentin betont im Interview mit "blick.ch" jedoch, dass der Bundesrat nur Ferien mache, "wenn es die Situation zulässt".

"Ich werde selbstverständlich mit meinen Kolleginnen und Kollegen vom Bundesrat sowie den Kantonen weiterhin laufend in Kontakt sein", sagt sie. "Aber ich hoffe, dass nach den anstrengenden Monaten ein paar Tage Pause möglich sind."

Sommaruga: "Wir müssen vorsichtig bleiben"

In der Coronakrise gehe es nun darum, "die richtige Balance zwischen Vorsicht und Lockerheit zu finden". Dies habe der Bundesrat mit den Entscheiden zur Maskenpflicht und der Quarantäne für Reise aus Risikogebieten umgesetzt.

Sommaruga räumt jedoch ein, dass der erneute Anstieg der Corona-Infektionen zeige, "dass die Balance noch nicht richtig stimmt. In der aktuellen Situation haben wir viele Freiheiten, aber das Virus ist immer noch da."

"Darum hat der Bundesrat erneut gehandelt. Wir müssen vorsichtig bleiben", mahnt die 60-Jährige.

Schweiz hat "alles in allem vieles richtig gemacht"

Sie habe als Bundespräsidentin versucht, von Anfang an "einen guten Mittelweg zu finden". "Für mich war es wichtig, den Schutz der Bevölkerung ins Zentrum zu stellen und zugleich der Wirtschaft zu helfen", erklärt sie.

"Und dass wir mit Augenmass durch diese Krise steuern, lernfähig sind und offen für Anpassungen." Die Schweiz habe seit Beginn der Krise "alles in allem vieles richtig gemacht".

Das bedeute jedoch nicht, dass der Bundesrat keine Fehler gemacht habe. "Gewisse Entscheide wie die Maskenpflicht hätte man vielleicht früher fällen können", gibt Sommaruga zu. "Aber wir wollten sehen, wie sich die Situation entwickelt – und haben jetzt eingegriffen, wo es nötig wurde."

Die schnellen Lockerungen vor zwei Wochen bedeuteten nicht, "dass jetzt jeder machen kann, was er will". "Die Vorsichtsmassnahmen gelten weiterhin, ergänzt mit Maskenpflicht und Quarantäne", betont die Politikerin.

Gesundheitskrise "hat viele überrascht"

Angesprochen auf die Überforderung einiger Kantone sagt Sommaruga: "So eine Gesundheitskrise hatten wir seit Jahrzehnten nicht mehr, das hat viele überrascht." Die Herausforderungen seien sehr unterschiedlich. "Wir haben Regionen, die keine Fälle haben, in anderen Regionen steigen die Zahlen", erklärt sie.

Verschiedene Kantone würden nun mit strengeren Massnahmen durchgreifen. "Klar ist, wir lassen die Kantone nicht alleine", sagt Sommaruga. "Denn: Wir sind ein Land, wir sind eine Schweiz."  © 1&1 Mail & Media/spot on news