• Bald soll das COVID-Zertifikat Getesteten, Genesenen und Geimpften Freiheiten zurückgeben.
  • Doch es gibt bereits erste Probleme.
  • Womöglich können nicht alle Zertifikate rechtzeitig fertiggestellt werden.

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Wer ein COVID-Zertifikat hat, dem winken bald wieder mehr Freiheiten. Denn wem das Dokument bestätigt, vollständig geimpft, regelmässig negativ getestet oder genesen zu sein, der kann Zugang zu Grossveranstaltungen erhalten oder in Europa verreisen.

Am Freitag (4. Juni) plant der Bundesrat, das Zertifikat mittels einer Verordnung an den Start zu bringen. Doch es gibt bereits erste Probleme, wie das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) berichtet. Denn besonders grosse Kantone könnten Schwierigkeiten haben, die COVID-Zertifikate noch vor den Sommerferien für alle Interessierten anzufertigen.

Für die Ausstellung der Dokumente gebe es komplizierte technische Vorgaben. So müsste zuerst jeder Kanton sogenannte "Aussteller" für die COVID-Zertifikate benennen. Bestmöglich sollte es sich hierbei um Fachpersonal aus den Impf- und Testcentern, Spitälern, Arztpraxen und Apotheken handeln.

Komplizierte Vorgaben für COVID-Zertifikate

Für die Anfertigung der Zertifikate benötigen die "Aussteller" Impfdaten von den kantonalen Servern oder Daten über einen positiven Test oder die Genesung von den Servern des BAG. Diese müssen wiederum in ein neues Dokument eingetragen werden, das in einem neuen IT-System codiert werde. Dieses System hat das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation in Auftrag gegeben.

Erst wenn all diese Daten richtig und vollständig erfasst und in der Swiss COVID-App angepasst wurden, bekommen die "Aussteller" grünes Licht, das Zertifikat übergeben zu dürfen. Diese komplexen Vorgänge müssen allerdings digital effizient eingerichtet sein. Denn falls die Erstellung jedes Zertifikats zwischen drei bis vier Minuten dauern sollte, ist es nicht möglich, alle angefragten Zertifikate pünktlich vor den Sommerferien zu erstellen.

Kritik an Bund: "Man hat es verschlafen"

Der Zürcher Hausarzt Josef Widler denkt, dass diese Erkenntnis zu spät kommt. SRF sagte er: "Ich glaube, man hat es verschlafen. Vor allem beim Bund hat man die Probleme erst gesehen, als sie schon da waren." Der Präsident der Zürcher Ärztegemeinschaft ärgert sich: "Wir von der Ärzteschaft haben immer wieder darauf hingewiesen: Denkt daran, was alles noch kommt. Dann hat man uns vertröstet und gesagt, man sei so unter Druck, man könne jetzt nicht mehr tun."

Auch Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, bestätigte die Probleme der Kantone in einer Medienkonferenz des BAG in Bern. "Ja, die Herausforderungen für die Kantone sind da, weil wir noch viele Details nicht kennen. Wir erfahren laufend neues in Zusammenhang mit der Technik", erläuterte er die Problematik am Dienstag.

Dabei werden laut Hauri besonders grosse Kantone vor Herausforderungen stehen: "Es liegt in der Natur der Sache, dass ein bevölkerungsreicher Kanton wesentlich mehr Aufwand betreiben muss, organisatorischer Art, als ein kleiner Kanton." Er hoffe, dass die Kantone mit diesem Bewusstsein versuchen werden, möglichst schnell zu sein. Allerdings wünsche er sich keinen Wettbewerb.

Im Moment kann niemand garantieren, dass bis zum Beginn der Sommerferien jedem, der möchte, ein COVID-Zertifikat ausgestellt wird. Virginie Masserey, die Leiterin der Sektion Infektionskontrolle vom BAG, gestand ebenfalls am Dienstag ein: "Wir können es nicht garantieren. Aber ich kann Ihnen versichern, dass es unsere Absicht ist, die Abläufe so einfach wie möglich einzurichten, um die Zertifikate erstellen zu können."  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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