• Nachdem der Bundesrat am Freitag erneut die Notbremse gezogen hat, üben die Wirtschaftsverbände einmal mehr Druck aus.
  • Sie legen den Verantwortlichen nun klare Forderungen vor – darunter die Umsetzung eines digitalen Corona-Passes.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

Die Coronakrise hinterlässt in der Schweizer Wirtschaft deutliche Spuren. Ein Ende ist nach wie vor nicht in Sicht. Erst am Freitag (19. März) zog der Bundesrat die Notbremse und sah von zeitnahen Lockerungen ab.

Die Wirtschaftsverbände sehen sich jetzt zum Handeln gezwungen – und fordern in einem offenen Brief, der dem Nachrichtenportal "blick.ch" vorliegt, "dringende Umsetzungsarbeiten", um "das Ende der staatlichen Eingriffe" in das wirtschaftliche Leben herbeizuholen.

Laut Bericht ist das Schreiben von weiteren namhaften bürgerlichen Parlamentariern unterzeichnet worden, ebenso von Economiesuisse-Direktorin Monika Rühl, Hans-Ulrich Bigler, dem Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands, und Casimir Platzer, Präsident von Gastrosuisse. Sie erheben gemeinsam vier konkrete Forderungen an den Bundesrat:

Impfen, Testen, Versorgung und Corona-Pass

In einem ersten Punkt fordern die Wirtschaftsverbände einen deutlich schnelleren Erfolg bei der Impfkampagne. Es müsse "alles" in die Wege geleitet werden, damit bis Ende Juli jeder, der es möchte, gegen das Coronavirus geimpft sei. Bis Ende März soll es ausserdem ein Konzept geben, das Gratistests ermöglicht. Auch die Organisation der Auslieferung soll damit gewährleistet sein.

Bis Ende September ist darüber hinaus ein Konzept gewünscht, das die Versorgung wichtiger medizinischer Materialien und Medikamente verspricht. Bis Anfang Juni soll ausserdem ein sogenannter COVID-free-Nachweis zur Verfügung stehen, ein fälschungssicherer und digitaler Corona-Pass. Was es mit letzterer Forderung auf sich hat?

Ist der COVID-free-Nachweis die Lösung?

"Der COVID-free-Nachweis soll nicht nur Geimpften Vorteile bringen. Auch Personen, die von COVID-19 genesen sind oder kürzlich negativ getestet wurden, sollen vom digitalen Pass beziehungsweise der App profitieren können", erklärt Andreas Faller, Geschäftsführer des Bündnisses Freiheitliches Gesundheitswesen und Ex-Vizedirektor des Bundesamts für Gesundheit.

Dank einer solchen App soll es Veranstaltern von Konzerten, Open Airs und Fussballspielen möglich sein, wieder Events durchzuführen – und das ohne Risiko eines Corona-Ausbruchs. "Sie müssten einzig am Eingang kontrollieren, dass alle Besucher coronafrei sind", erklärt Faller. So müsse niemand ausgegrenzt werden.

"Wer sich nicht impfen lassen will, müsste einige Stunden vor der Veranstaltung einen Test machen, zum Beispiel in einer Apotheke." Ist das Ergebnis negativ, werde es an die App weitergeleitet und man könne problemlos an der Veranstaltung teilnehmen. Das Parlament habe sich in dieser Woche um ein solches System gekümmert. Nun liege es am Bundesrat.

"Er muss unverzüglich ein einheitliches, schweizweites System zur Eingabe der Testresultate, der durchgeführten Impfungen sowie der Genesenen bereitstellen, aus dem die Daten für die COVID-free-App ­bezogen werden können", fordert Faller.  © 1&1 Mail & Media/spot on news

Österreichs Kanzler will europäischen Impfpass nach Vorbild Israels

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz hat sich für einen europäischen Impfpass ausgesprochen. Wer geimpft oder wieder genesen ist, solle mit einem "Grünen Pass" volle Freiheit zurückerlangen.