Die Lage im Bergdorf Jaun FR ist ernst: Wegen zu vieler Neuinfektionen warnt der Kanton nun vor einer kollektiven Quarantäne in der kleinen Gemeinde. Für den Gemeindepräsidenten wäre dies "das schlimmste Szenario".

Mehr aktuelle News finden Sie hier

Der Alltag, wie man ihn sonst in der Gemeinde Jaun im Kanton Freiburg kennt, könnte in näherer Zukunft völlig anders aussehen. Dem Bergdorf und seinen Bewohnern droht eine kollektive Quarantäne. Der Grund: Innerhalb weniger Tage zählte Jaun acht Neuinfektionen mit dem Coronavirus bei nur 650 Einwohnern. Drei der positiv Getesteten befinden sich derzeit im Spital.

"Acht tönt nach wenig, ist aber viel bei nur 650 Einwohnern", sagte Gemeindepräsident Jean-Claude Schuwey dem Nachrichtenportal "nau.ch". Die Informationen hätten sich im Kanton rasch verbreitet. "Der Kantonsarzt wollte zu uns ins Dorf kommen, um an die Bevölkerung zu appellieren", erklärt Schuwey. Um weitere Ansteckungen zu vermeiden, habe man sich dann aber auf ein Flugblatt geeinigt, das im Bergdorf verteilt wurde und über weitere Corona-Massnahmen des Bundes aufklären soll.

Der Kanton warnt darin vor einer "kollektiven Quarantäne" – eine strengere Massnahme, die in Kraft treten könnte, sofern es sich bei den Neuinfektionen um den Anfang eines Ausbruchs handelt. Komme es zu einer Ausdehnung der Neuinfektionen, "könnten erneut Lockdown-Massnahmen notwendig sein", heisst es in dem Schreiben weiter.

Einwohner Jauns sollen "sensibilisiert" werden

Für den Gemeindepräsidenten wäre dies "das schlimmste Szenario". Schliesslich gebe es in Jaun zahlreiche Familienbetriebe, deren Einkünfte auch vom Tourismus abhängig seien. Gerade während der Wintersportsaison sei das Bergdorf eine beliebte Anlaufstelle, da es sich an der Grenze zum Berner Simmental befindet.

Schuwey sei selbst erstaunt gewesen, dass "der Kanton so schweres Geschütz aufgefahren hat". Mit dem Flugblatt wolle man die Einwohner nicht verunsichern, "aber sensibilisieren". Gerade die jüngeren Leute würden dem Coronavirus mit Leichtsinn begegnen. "Vor allem, wenn sie draussen in den Bergen sind. Aber abends sitzen sie ja dann doch zusammen in der Beiz", sagt Schuwey.

Wie steht es abgesehen von Jaun um den Kanton? In der vergangenen Woche lag Freiburg hinsichtlich der absoluten Infektionszahlen auf Platz sechs in der Liste. 138 neue Corona-Fälle sind vermeldet worden. Seit Ende August gilt in Freiburg wieder eine Maskenpflicht in den Läden, in Kitas sowie für das Service-Personal in Restaurants.  © 1&1 Mail & Media/spot on news