• Die Schweiz und andere europäische Länder haben auf die Corona-Variante in Grossbritannien mit Einreisestopps reagiert.
  • Trotzdem ist die Sorge gross, dass die Virus-Mutation bereits hierzulande Einzug gehalten hat.
  • Der Professor für Biophysik Richard Neher von der Universität Basel erklärt, was es mit der Mutation auf sich hat und wie gefährlich sie ist.

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"Das Virus ist uns wieder einmal einen Schritt voraus gewesen", sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), beim Point de Presse des Bundesrats am Montag (21. Dezember). Man müsse "reagieren und adäquate Massnahmen treffen".

Nach der Entdeckung einer Coronavirus-Mutation in Grossbritannien verhängten einige europäische Länder Einreisestopps – auch die Schweiz. Trotzdem geht BAG-Experte Patrick Mathys davon aus, dass die Mutation bereits in der Schweiz ist, auch wenn sie noch nicht nachgewiesen wurde.

Ähnlich äusserte sich auch die Berner Epidemiologin Emma Hodcroft im Interview mit "20min.ch". "Es ist möglich, dass die Variante schon in der Schweiz ist, wir sie aber noch nicht entdeckt haben", sagte sie.

Britische Politiker erklärten, dass die neue Corona-Variante 70 Prozent ansteckender sei als das bisher bekannte Virus. Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel führte im Gespräch mit "blick.ch" jedoch aus, dass es bisher nicht belegt sei, ob es "genau 70 Prozent sind".

Richard Neher über Coronavirus-Mutation: "Grund zur Panik gibt es nicht"

Man wisse nur wenig Konkretes über die Auswirkungen der Corona-Variante. "Deshalb ist sicher Vorsicht geboten, einen Grund zur Panik gibt es aber nicht. Die neue Variante ist bemerkenswert und hat sich schnell ausgebreitet", sagte der Professor für Biophysik, der auch Mitglied der COVID-Taskforce des Bundesrats ist.

In London gehen angeblich bereits 60 Prozent der Corona-Infektionen auf die Mutation zurück. "Wenn sich diese deutlich erhöhte Ausbreitung bestätigt, dann müsste man Kontakte noch weiter einschränken, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern", betonte Neher. "Deshalb hat die englische Regierung auch so harte Massnahmen verhängt."

Um die Mutation auch in der Schweiz nachweisen zu können, müsste man laut Neher "in grossem Stil Genomsequenzierungen von Corona-Proben machen". In der Schweiz würden allerdings nicht alle Fälle in dieser Weise untersucht. "Man schaut meist nur, ob das Coronavirus nachgewiesen werden kann, aber nicht welcher Typ."

Etwa hundert Corona-Proben würden pro Woche in der Schweiz untersucht. "Das hängt in der Schweiz alles an einem oder zwei Labors, es fehlen schweizweit koordinierte Bemühungen. Es wird momentan mit Hochdruck daran gearbeitet, dass man diese Tests im grossen Stil machen kann", erklärte der Biophysiker. Ideal wäre es, mindestens ein Prozent der Corona-Tests zu sequenzieren.

Wirkt COVID-19-Impfung auch gegen die neue Corona-Mutation?

Richard Neher zeigte sich positiv, dass der Impfstoff auch gegen die Mutation hilft. "Britische Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Impfung auch gegen die neuen Varianten wirkt", sagte er. "Mittelfristig können solche Mutationen die Wirkung der Impfung eventuell abschwächen. Erfahrungen von anderen Viren zeigen aber, dass es länger dauert, bis ein Virus so stark mutiert, dass die Impfung weniger wirksam wird. Aber man muss das genau beobachten."

"Ich bin nach wie vor optimistisch", führte er weiter aus. "Nach allem, was wir wissen, ist die Impfung sehr effizient. Im Sommer haben wir mit der Kombination aus Impfung und warmem Wetter eine reale Chance auf eine Normalisierung. Es wird aber eine gewisse Zeit dauern, bis ein Grossteil der Bevölkerung geimpft wird. Die nächsten Wochen und Monate werden eine schwierige Zeit."  © 1&1 Mail & Media/spot on news