• Gerät die Impfkampagne bald in Verzug?
  • Zahlreiche Hausarztpraxen haben sich aus dem Programm zurückgezogen.
  • Die Kosten und der Aufwand seien zu hoch, heisst es.
  • Gesundheitspolitiker sind in Sorge.

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Eigentlich sollte die Impfkampagne mithilfe der Hausärzte künftig schneller voranschreiten. Zahlreiche Praxen treten jetzt allerdings vom Impfprogramm zurück. Der Grund: Sie müssen für die Impfungen, die ohnehin einen erheblichen organisatorischen Aufwand bedeuten, draufzahlen.

Wie das Nachrichtenportal "20min.ch" berichtet, haben sich im Kanton Zürich zahlreiche Hausärzte nicht für die Impfkampagne angemeldet. Demnach sind es gerade einmal 900 von 2.800 Praxen, die bereits impfen oder sich hierfür registriert haben.

Immerhin: "Je nach verfügbarer Impfstoffmenge werden wir die Liste der Hausärzte, die mit Impfstoff beliefert werden können, in Zusammenarbeit mit der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich in den kommenden Wochen noch erweitern", bestätigt Lina Lanz, Mediensprecherin der Zürcher Gesundheitsdirektion.

Im Kanton Thurgau ist die Lage ähnlich. "Es haben sich vereinzelt Praxen angemeldet, die keine COVID-Impfung anbieten möchten", sagt Kantonsärztin Agnes Burkhalter. Dennoch seien die Impfzentren und die zusätzlichen Hausärzte in der Lage, die Thurgauer Bevölkerung rasch zu impfen, gibt Burkhalter Entwarnung.

Im Kanton Zug hätten nun zwei Praxen bekannt gegeben, nach Abschluss der Zweitimpfungen von der Kampagne zurücktreten zu wollen, verrät Kantonsarzt Rudolf Hauri.

Gesundheitspolitiker sind in Sorge

Andreas Widmer, Präsident des nationalen Zentrums für Infektionsprävention Swissnoso, befürchtet nun, dass das Impfprogramm erneut in Verzug geraten könnte, sofern die über eine Million Impfdosen im April nicht zum Einsatz kämen. Auch die Gesundheitspolitiker sorgen sich um die Zurückhaltung der Hausärzte.

"Sobald der grosse Ansturm auf die Impfungen kommt, sollen alle impfen, die können", rät SP-Nationalrätin Yvonne Feri. Die kantonalen Praxen würden in der Kampagne eine wichtige Rolle spielen, da sich viele nur von ihrem Hausarzt impfen lassen wollen würden.

Ruth Humbel, Mitte-Nationalrätin und Präsidentin der nationalrätlichen Gesundheitskommission, appelliert ebenfalls an die Hausärzte, die Impfkampagne zu unterstützen, sonst müsse das Impfen in Apotheken möglich sein, "damit die Impfkampagne nicht in Verzug gerät, sobald wir genügend Impfstoff haben".

Entschädigung deckt Kosten nicht ab

Der Grund für die Zurückhaltung zahlreicher Hausärzte sind die zusätzlichen Kosten und der erhebliche organisatorische Aufwand. "Jede Praxis zahlt für die Impfungen drauf und subventioniert so die Impfung", bestätigt Philippe Luchsinger, Präsident des Verbands der Haus- und Kinderärzte.

"Die Praxen müssen mindestens eine Person im Team für die Organisation der Impfungen komplett freistellen." Die Entschädigung von 24,50 Franken pro Dosis würde die Kosten dafür nicht abdecken.  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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