• Eine Omikron-Welle überrollt derzeit die Schweiz.
  • Ob sie hätte verhindert werden können und wie man am besten mit der neuen Virus-Variante umgeht, hat Infektiologe Manuel Battegay in einem Interview erläutert.
  • Hilft jetzt nur noch die Durchseuchung?

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Mit knapp 30.000 neuen Corona-Infektionen pro Tag hat die Schweiz derzeit zu kämpfen. Der Grund: Die hochansteckende Omikron-Variante des Virus hat alle anderen Varianten inzwischen überholt. Hilft jetzt nur noch die Durchseuchung? Wie begegnet die Schweiz der Omikron-Welle am besten?

Der Infektiologe Manuel Battegay hat im Interview mit dem "SRF.ch" die wichtigsten Fragen beantwortet. Bei den vielen Neuansteckungen, die man derzeit beobachten kann, handele es sich nicht einfach um eine Durchseuchung, erklärt Battegay. "Ein Grossteil der Bevölkerung ist geimpft, ein Teil sogar geboostert." Dennoch sei klar, dass das Virus jetzt sehr stark zirkuliere und grosse Teile der Bevölkerung ihm begegnen und infiziert würden.

Wie hätte man die Omikron-Welle verhindern können?

Laut Manuel Battegay, der seit fast 20 Jahren als Chefarzt am Universitätsspital Basel tätig ist, hätte man die Omikron-Welle nicht verhindern können. Egal ob geimpft, geboostert oder ungeimpft – die meisten Menschen werden dem Virus nun begegnen. Die Frage ist lediglich, wie gut sie gegen eine Erkrankung geschützt seien. Auch bei Delta wäre es zu einer solchen Situation gekommen: "Die Zeitspanne wäre aber anders gewesen."

Die Belastung werde trotz monatelanger Vorbereitung durch Impfungen ganz sicher "ausserordentlich gross bleiben", meint der Infektiologe. Englische Daten würden zeigen, dass Omikron "vor allem bei jüngeren Menschen zirkuliert und noch nicht oder noch nicht stark bei über 60-Jährigen". Man könne also noch nicht sagen, ob es nochmals eine zusätzliche Beanspruchung, auch der Spitäler, geben werde.

Battegay befürwortet Verkürzung der Quarantäne

In einigen Nachbarländern, etwa Österreich, ist eine Verkürzung der Quarantäne bereits beschlossene Sache. Auch Manuel Battegay befürwortet diese "ganz klar". "Das Virus zirkuliert und wir können dies durch eine Quarantäne von zehn Tagen nicht aufhalten", führt er aus. Hinzu komme, dass zum Zeitpunkt eines positiven Tests ein Teil der Übertragungen schon passiert sei. "Auch das können wir durch eine Quarantäne nicht verhindern."

Bei einer kürzeren Quarantäne-Zeit, beispielsweise fünf Tage, würden sich mehr Menschen infizieren. Allerdings könne man da Sicherungen einbauen: "Etwa Tests bei Symptomen." Manuel Battegay geht sogar noch einen Schritt weiter und plädiert dafür, die Quarantäne ganz aufzuheben, "wenn die Fälle deutlich abnehmen".

Strengere Massnahmen sind wichtiger als Quarantäne

Infizierte sollen jedoch "nach wie vor schauen, dass er andere nicht ansteckt". Wer im gleichen Haushalt lebt wie ein an COVID-19 Erkrankter, sollte sich testen und nach fünf Tagen erneut mit einem Test absichern. Es bleibe zwar ein Restrisiko, "aber sonst haben wir so viele Menschen in Quarantäne, dass das Funktionieren der Gesellschaft infrage gestellt ist".

"Wenn so viele Menschen mit Omikron infiziert werden, glücklicherweise die meisten mild, dann ist es wichtig, dass sich Infizierte vorderhand für zehn Tage isolieren", erklärt der Infektiologe weiter. "Aber dass sich die ganze Umgebung in Quarantäne begibt, ist nicht realistisch und bei einer hohen Durchimpfung auch nicht sinnvoll." Man müsse Infektionsketten anders reduzieren, sagt Battegay. "Zum Beispiel durch 2G+, durch noch strengere Massnahmen."  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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