• Seit Montag, 18. Januar, gilt in der Schweiz die Homeoffice-Pflicht.
  • Allerdings scheinen sich einige Unternehmen nicht an die neue Regelung zu halten.
  • Erste Kantone gehen nun Hinweisen auf Verstösse nach.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

In der Schweiz gilt seit Montag (18. Januar) die sogenannte Homeoffice-Pflicht. Nur einen Tag nach Eintreten der Regelung erhalten Behörden bereits Hinweise auf Verstösse einzelner Unternehmen. Wie das Nachrichtenportal "20min" berichtet, planen einige Kantone nun Kontrollen in den Büros.

So gehe man derzeit im Kanton Basel-Stadt ersten Hinweisen nach, die man aus der Wirtschaft und der Bevölkerung erhalten habe. Michael Mauerhofer vom Amt für Wirtschaft und Arbeit erklärt, dass die Einhaltung der Homeoffice-Pflicht im Zusammenhang mit den Kontrollen der Schutzkonzepte überprüft wird. "Wir gehen jedem Hinweis nach", sagt er. Dabei gebe es bei Verstössen gegen die Homeoffice-Regelung zuerst eine Abmahnung und im wiederholten Fall drohe eine Sanktion.

Einzelne Kantone planen unangekündigte Bürokontrollen

Ein ähnliches Vorgehen sei auch in Schaffhausen geplant. Dort werden ab kommender Woche Büros unangekündigt kontrolliert. Christian Ritzmann, Vize-Staatsschreiber der Staatskanzlei Schaffhausen, erläutert: "Die Kontrolle findet mittels risikobasierten Betriebsbesuchen statt. Dabei müssen die Betriebe nachweislich glaubhaft darlegen können, wie sie die Homeoffice-Pflicht umsetzen."

Auch die Kantone Aargau, Luzern und Solothurn planen Kontrollen für die kommende Woche. Zwar wolle man im Kanton Zug nicht regelmässig kontrollieren, allerdings werde die Zuger Polizei bei Bedarf und Notwendigkeit in Zusammenarbeit mit dem Amt für Wirtschaft und Arbeit entsprechende Kontrollen durchführen, sagt Frank Kleiner, Mediensprecher der Zuger Polizei.

Homeoffice-Pflicht hat rechtliche Lücken

Die rechtliche Lage ist jedoch oftmals unklar. Arbeitsrechtler Marc Schmid erklärt "20min.ch", dass Arbeitgebern bei einem reinen Verstoss gegen die Homeoffice-Pflicht keine Bussen drohen. Wenn allerdings "Anordnungen der Gesundheitsdirektion oder des kantonalen Arbeitsinspektorats missachtet werden", können von Kanton zu Kanton Bussen von bis zu mehreren Tausend Franken verhängt werden.

"Die Unternehmer müssen vermehrt unpraktische Umstände, die das Homeoffice bietet, auf sich nehmen", sagt Schmid. So könne man ein Nicht-Einhalten der Pflicht nicht mit reibungsloserer Kommunikation oder mehr Tempo und Umsatz rechtfertigen. Unternehmen seien nur dann von der Pflicht entbunden, wenn die Arbeit im Homeoffice gar nicht oder mit zu hohem Aufwand möglich sei.

Bürokontrollen werden kritisiert

Kritik für die Bürokontrollen gibt es vom Arbeitgeberverband. Dieser akzeptiere laut Sprecher Fredy Greuter die Kontrollen "zähneknirschend". "Wir sollten uns jetzt aber mit aller Kraft auf die Pandemiebekämpfung konzentrieren und wollen nicht ein Kontrollregime etablieren." Denn statt Kontrollen sollte die gute Umsetzung der Massnahmen im Fokus stehen. Er fordere zudem eine weitere Präzisierung der Behörden darüber, wer effektiv ins Homeoffice müsse und wer nicht.

Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, fordert Unternehmen auf, das Gespräch mit den Behörden zu suchen, falls sie kontrolliert werden und Probleme mit den Regelungen hätten. "Wenn das nicht klappt, so können sie sich auch beim Branchenverband Hilfe holen. Spätestens so findet sich eine Lösung."  © 1&1 Mail & Media/spot on news

Studie in der Coronakrise: Mehrheit der Unternehmen zeigt sich Wunsch nach Homeoffice aufgeschlossen

Einer Studie des ifo-Instituts zufolge reagiert eine Mehrheit der deutschen Unternehmen auf die positiven Erfahrungen mit dem Homeoffice in der Coronakrise. Vorherige Vorbehalte gegen die Arbeit ausserhalb des Büros fallen mehr und mehr. Auch, weil Job-Bewerber zunehmend nach der Möglichkeit des Homeoffice suchen. (Teaserfoto: picture alliance / Andreas Frank) © ProSiebenSat.1