Über die vergangenen sieben Tage hat die Schweiz, gemessen an der Bevölkerungszahl, mehr Corona-Neuinfektionen zu vermelden als die USA. Epidemiologe Matthias Egger fordert weitere Massnahmen zur Eindämmung des Virus.

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Bereits am Dienstag zog die Schweiz mit den USA fast gleich: Die Zahl der neuen Coronavirus-Infektionen betrug auf eine Million Einwohner gerechnet 152,26. In den Vereinigten Staaten lag der Wert bei 153,26. Noch nie hatte es hierzulande so viele Neuinfektionen an einem Tag gegeben.

Anstieg der Infektionen erst für November erwartet

Mit dem Negativtrend und dem massiven Anstieg auf 2.823 neue Corona-Fälle in 24 Stunden, die das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Mittwoch vermeldet hat, habe die Schweiz die USA mit grosser Sicherheit überholt, sagt der Epidemiologe Matthias Egger, früherer Leiter der Covid-Taskforce des Bundes, im Interview mit "20 Minuten".

Das Ergebnis habe Egger überrascht, da er erst im November mit rund 3.000 Coronavirus-Fällen pro Tag gerechnet habe. Die neuen Zahlen und das Überholen der USA durch die Schweiz müsse zu denken geben. "Wir haben die Situation sicher besser gemeistert. Aber jetzt müssen wir handeln, damit es so bleibt", betont der Epidemiologe.

Neue Regelungen zur Eindämmung der Epidemie?

Egger rät zu weiteren nationalen Massnahmen wie Homeoffice und eine allgemeine Maskenpflicht in Innenräumen. Auch die Kantone müssten durch Schliessungen von Clubs oder Diskotheken einem erneuten Lockdown entgegenwirken. "Wenn man jetzt nicht wirksame Massnahmen trifft, dann steigen die Corona-Fälle und später auch die Todesfälle weiter an."

Relativ lange waren die Fallzahlen linear oder gar rückläufig gewesen - das habe den Schweizerinnen und Schweizern möglicherweise zu viel Vertrauen gegeben, erklärte Lukas Engelberger, der Präsident der Schweizer Konferenz der Gesundheitsdirektionen, im Schweizer Radio SRF.

Krisengipfel mit Bund und Kantonen

Durch das kühlere Wetter verlagere sich das Leben wieder in die Innenräume. Entsprechend müsse sich das Verhalten der Bevölkerung wieder ändern, mahnte der Gesundheitsexperte.

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