• Eine Corona-Impfpflicht für Gesundheitsmitarbeiter schliessen Bund und Kantone kategorisch aus.
  • Eine erste Klinik führt sie nun im Alleingang ein.
  • Eingestellt wird nur, wer den Piks über sich ergehen lässt.

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In Frankreich und anderen Ländern gibt es sie bereits, hierzulande sträuben sich Bund und Kantone gegen eine Corona-Impfpflicht für Mitarbeiter im Gesundheitssektor. Das neu entstehende Centre Médical des Cadolles in Neuenburg, das erst 2022 seine Pforten für Patienten öffnet, prescht nun jedoch einem Bericht von "SonntagsBlick" zufolge im Alleingang vor. Eingestellt wird in der Klinik nur, wer sich gegen das Coronavirus immunisieren lässt.

"Künftige Mitarbeiter müssen ihr Impfzertifikat vorweisen. Andernfalls werden sie nicht angestellt", heisst es demnach in einer Erklärung der Privatklinik. Gelten soll die Regel nicht nur für das Pflege-, sondern auch das administrative Personal.

Direktor Pascal Locatelli erklärt: "Unsere Patienten werden die Türe unserer Einrichtung mit der Gewissheit betreten, dass alle Angestellten des Zentrums geimpft sind." Die Verweigerung einer Impfung sei für die Geschäftsleitung schlicht "inakzeptabel", sagt er weiter.

Impfung als Einstellungsvoraussetzung ist arbeitsrechtlich zulässig

Arbeitsrechtlich dürfte die Regel der Klinik wasserdicht sein, da die Pflicht zur Corona-Impfung bereits bei Abschluss des Arbeitsvertrages besteht. Probleme verursacht lediglich eine nachträgliche Verpflichtung zur Impfung für bereits länger angestellte Mitarbeiter. Auch hier existieren jedoch Ausnahmen.

Die Schweiz setzt - anders als andere Länder wie Grossbritannien, Italien oder Frankreich - derzeit noch auf Freiwilligkeit in Bezug auf die Corona-Schutzimpfung. Gemäss dem Schweizer Epidemiengesetz wäre es Bund und Kantonen allerdings erlaubt, für gewisse Gruppen eine Impfpflicht einzuführen. Die Voraussetzung: Es muss eine "erhebliche Gefährdung" der öffentlichen Gesundheit vorliegen und an anderweitigen Schutzmöglichkeiten mangeln.

Gesundheitseinrichtungen und Verbände setzen weiter auf Überzeugungsarbeit

Trotz alledem spricht sich die Mehrheit der Gesundheitseinrichtungen in der Schweiz in der aktuellen Lage gegen eine Impfpflicht aus, ebenso wie die Verbände des Pflege- und Spitex-Personals. Stattdessen setzen sie alle auf positive Überzeugungsarbeit, die das Personal zu einer freiwilligen Entscheidung für die Schutzimpfung motivieren soll.

Das Centre Médical des Cadolles sucht knapp 50 Mitarbeiter für seinen Komplex. Die sogenannte Walk-in-Klinik soll insgesamt über zehn Arztpraxen, ein Labor, einen Radiologieraum, Physiotherapeuten und Zahnärzte verfügen.  © 1&1 Mail & Media/spot on news