• Die COVID-19-Taskforce des Bundes plädiert für schärfere Massnahmen.
  • Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will an den Feiertagen keine Corona-Fallzahlen veröffentlichen.
  • Experten warnen, dass dies in der derzeitigen Situation gefährlich sei.

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Die COVID-19-Taskforce des Bundes ist der Meinung, dass die bisherigen Massnahmen in der Schweiz nicht ausreichen, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

"Wir sind nicht sehr optimistisch, dass man mit den bestehenden Massnahmen den R-Wert genügend absenken kann. Man müsste die Massnahmen per sofort verschärfen", sagte Taskforce-Mitglied Tanja Stadler im Gespräch mit SRF.

Sorge bereitet derzeit auch eine Variante des Coronavirus aus Grossbritannien, die als wesentlich ansteckender eingeschätzt wird als die bisher bekannte. Ist sie mittlerweile schon in der Schweiz angekommen? "Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass diese Variante bereits eingeschleppt wurde", erklärte Stadler.

Die Lage in der Schweiz ist also angespannt. Die Ankündigung des BAG, über die Feiertage keine Fallzahlen zu veröffentlichen, sorgt nun für Kritik. "Wir behandeln die Festtage wie Sonntage, folglich wird es keine Zahlen geben", sagte Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim BAG, bei der Medienkonferenz des Bundesrats am Dienstag (22. Dezember).

Die Genfer Virologin Isabella Eckerle nennt diese Entscheidung "sehr unglücklich", wie "20min.ch" berichtet.

Meldung der Corona-Fallzahlen über die Feiertage wäre "wichtig"

"Weihnachten und auch die erhöhte Reiseaktivität werden die sowieso schon viel zu hohen Infektionszahlen noch weiter anfeuern. Insofern wären Meldezahlen über die Feiertage und zwischen den Jahren sehr wichtig", erklärte sie.

Ähnlich äusserte sich auch Antoine Flahault, Direktor des Instituts für globale Gesundheit an der Universität Genf. "Wir erstellen mit den täglichen Daten 7-Tages-Prognosen für 209 Länder und auch für alle Kantone in der Schweiz. Ohne tägliche Meldungen können wir die Trends nicht vorhersagen", sagte er.

Er verglich die Situation mit einem schweren Sturm auf See, bei dem der Kapitän mittendrin "seine Wettervorhersagen herunterfährt". Dies könne "gefährlich" werden.

BAG-Pressesprecher Yann Hulmann erklärte die Gründe, warum die Fallzahlen an den Weihnachtsfeiertagen nicht kommuniziert werden. "Erstens haben wir immer gesagt, dass Trends wichtiger sind als tägliche Fallzahlen", sagte er.

"Und zweitens sind die Zahlen vom Wochenende und damit auch von Feiertagen mit besonderer Vorsicht zu geniessen, da sie regelmässig niedriger ausfallen als an Wochentagen." Das BAG stehe auch über die Feiertage im Austausch mit der Taskforce und dem Bundesrat.

Präventive Massnahmen wie Maskentragen noch Monate erforderlich

Für die kommenden sieben Tage rechne Antoine Flahault zwar nicht mit einem grossen Anstieg der Corona-Fälle, man wisse jedoch nicht, was danach komme. Es gebe ein "optimistisches" und ein "pessimistisches" Szenario.

Bei ersterem würden Weihnachtsferien mit geschlossenen Schulen und Geschäften sowie weniger sozialen Interaktionen die epidemiologischen Prozesse bremsen. Im pessimistischen Szenario jedoch würden Treffen mit Freunden und Familien den R-Wert negativ beeinflussen.

"Die Wintersaison beginnt erst gerade, sodass präventive Massnahmen wie das Maskentragen, Distanzhalten, Lüften, Händewaschen und die Verschiebung von Aktivitäten ins Freie wahrscheinlich noch monatelang erforderlich sein werden", führte er weiter aus.

Wenn die bisherigen Massnahmen nicht ausreichen würden, seien "möglicherweise wieder zusätzliche Abriegelungsmassnahmen erforderlich". Dadurch könne man die "volle Kontrolle über die Pandemie" übernehmen, bis der Impfstoff breitflächig verfügbar sei und genutzt werde.  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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