Seit dem 16. März bis zum 4. April sind alle Schulen in der Schweiz wegen der Ausbreitung des Coronavirus geschlossen. Lehrkräfte und Schüler bereiten sich auf den Beginn des Fernunterrichts vor. Der bringt allerdings langfristig Schwierigkeiten mit sich.

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Um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, ist der Schulunterricht in der Schweiz seit dem 16. März ausgesetzt. Demnächst soll für die Schüler der Fernunterricht von zu Hause beginnen. Der könnte allerdings langfristig negative Folgen haben, warnt die oberste Lehrerin Dagmar Rösler.

Unterschiede beim Wissensstand werden sich vergrössern

"Die Schere wird auseinandergehen", sagt die Präsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz dem Portal "Bluewin". Gemeint sind die Unterschiede beim Wissensstand der Schüler.

Ähnlich bewertet eine Lehrkraft aus einer grösseren Bündner Gemeinde die aktuelle Situation. Sie unterrichtet eine fünfte Primarklasse und macht sich Sorgen über die veränderte Lernsituation, deren Erfolg stark von der Disziplin der Schüler und dem Einsatz der Eltern abhängt: "Den Schulstoff für sich allein durchzupauken, ist schwierig. Es braucht dafür viel Disziplin, und nicht jedes Kind hat diese." Nicht alle Eltern hätten gleich viel Zeit und könnten ihre Kinder beim Lernen unterstützen, eine Chancengleichheit sei nicht gegeben.

Besondere Herausforderung in der Primarstufe

Besonders problematisch gestaltet sich der Fernunterricht in der Primarstufe. In diesem Alter gebe es weniger Möglichkeiten, vieles laufe über das aktive Erklären und Ausprobieren, weiss Dagmar Rösler. "Natürlich gibt es Kinder, die selbstständig genug sind, um auch neuen Stoff zu lernen. Doch viele können das ohne Hilfe nicht umsetzen", erklärt sie.

Lösungsansätze werden bereits diskutiert. Sarah Knüsel, die Präsidentin des Verbandes der Schulleiterinnen und Schulleiter Zürich, warf kürzlich im Gespräch mit der NZZ die Idee in den Raum, die Schüler das Schuljahr wiederholen zu lassen. Dagmar Rösler sieht dafür bislang allerdings keine Veranlassung. Man müsse erst einmal abwarten, wie lange sich die Situation hinziehe. Abstriche bezüglich der Lernziele erachtet die oberste Lehrerin aber dennoch bereits jetzt als notwendig, da bestimmte Lehrinhalte schlicht nicht vermittelt werden könnten.

Lehrer stehen unter aussergewöhnlichem Druck

Auf den Lehrern lastet derzeit ein aussergewöhnlicher Druck. Sie sollen neben dem Fernunterricht auch die schulischen Betreuungsmöglichkeiten übernehmen, die für Eltern angeboten werden, die über keine andere Option verfügen.

Wie lange der Unterricht vor Ort noch ausfällt, ist derzeit unklar. Die meisten Schulen stellen sich allerdings darauf ein, dass die Schülerinnen und Schüler auch nach den Frühlingsferien von zu Hause aus weiter lernen. (wag)

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