Die Schweiz reagiert mit strengeren Massnahmen auf die derzeit steigenden Corona-Fallzahlen. Ex-Taskforce-Chef Matthias Egger kritisiert jedoch den Zeitpunkt: "Wir haben in der Schweiz zu lange gewartet."

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Die Zahl der Corona-Infizierten steigt erneut an, viele Experten sprechen von der zweiten Welle. Im Wallis gilt wegen steigender Zahlen ab Donnerstag (22. Oktober) ein Teil-Lockdown. Ex-Taskforce-Chef und Epidemiologe Matthias Egger findet die Massnahmen zwar sinnvoll – sie kämen allerdings zu spät.

Egger hat eine Einschätzung zur aktuellen Lage in der Schweiz gegeben. Der Epidemiologe war Leiter der wissenschaftlichen Taskforce während der ersten Corona-Welle. Die Massnahmen, die ab sofort im Wallis gelten, begrüsst er, wie er im Interview mit "20min.ch" sagt.

"Es sind Massnahmen, die sehr viel Sinn machen aufgrund der Situation im Wallis, das derzeit die höchsten Fallzahlen schweizweit verzeichnet", sagt er. "Gerade die Begrenzung von Versammlungen und die Schliessung von Bars werden eine Wirkung haben."

Matthias Egger plädiert für frühe Corona-Massnahmen

Am Beispiel Wallis zeige sich, "dass die Kantone Massnahmen ergreifen können, wenn sie dies wollen". Die übrigen Kantone müssten sich jetzt fragen, ob sie nicht auch handeln wollen, sagt er. "Je früher die Massnahme ergriffen wird, desto rascher sinken die Fallzahlen." Wegen der angestiegenen Zahlen stellt er zudem die Frage in den Raum, ob es nicht sinnvoll sei, Massnahmen auf nationaler Ebene zu treffen, denn "wir haben es bekanntlich mit einer landesweiten Zunahme zu tun".

Nachdem Gesundheitsminister Alain Berset bereits weitere Massnahmen angekündigt hatte, ruft Egger dazu auf, sofort zu handeln, sollten die Fallzahlen nicht sinken. Weitere Massnahmen ab kommendem Mittwoch einzuführen, könne bereits zu spät sein, warnt der Epidemiologe. "Dann haben wir vielleicht 10.000 bis 12.000 Fälle. Wir haben in der Schweiz zu lange gewartet, bis erneut Massnahmen ergriffen wurden", sagt er.

Zu späte Massnahmen? Egger prophezeit mehr schwere Verläufe

Bereits im September wäre ein erneuter Anstieg der Zahl mit Corona-Infizierten zu erkennen gewesen, gibt Egger zu bedenken. "Es war schon damals klar, dass es in die falsche Richtung geht, dass man etwas stark gelockert hatte", tadelt er und warnt: "Das wird zwangsläufig zu mehr schweren Verläufen und Todesfällen führen."

Eine Alternative, um der starken Verbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken, könnte laut Egger ein zeitlich begrenzter Lockdown sein, ein sogenannter Circuit-Lockdown. "Ein Circuit-Breaker hat den Vorteil, dass ein Ende absehbar ist, wobei er doch mehrere Wochen dauern müsste", erklärt er. Solch ein Lockdown müsste allerdings verlängert werden, "sollten die Fallzahlen doch nicht wie erhofft rasch sinken".  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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