Die Corona-Infektionszahlen in der Schweiz steigen weiter an, Grossveranstaltungen sind ab Oktober wieder erlaubt. Experten zeigen sich davon beunruhigt. Sie fordern eine Ausweitung der Maskenpflicht.

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Das Bundesamt für Gesundheit hat am Mittwoch (12. August) 273 Neuinfektionen mit dem Coronavirus innerhalb von 24 Stunden in der Schweiz gemeldet. Das sind so viele Fälle wie seit dem 19. April nicht mehr, wie "20min.ch" berichtet. Ebenfalls am Mittwoch gab der Bundesrat bekannt, dass ab dem 1. Oktober unter Auflagen wieder Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen erlaubt sind.

Die Schweiz sei an einem kritischen Punkt, sagt Infektiologe Philipp Eggimann dem Nachrichtenportal. "Das Contact-Tracing stösst bald an seine Grenzen", warnt der Präsident der Westschweizer Ärztegesellschaft. Das Virus könne sich wieder schneller verbreiten, wenn die Menschen wieder aus den Ferien zurückkehren und die Schulen wieder öffnen.

"Alle Kantone sollten nun eine Maskenpflicht in den Läden und den Schulen erlassen"

Sein Rat an die Politik: Sie solle Massnahmen ergreifen, um einer Explosion der Corona-Fallzahlen und einem erneuten Lockdown vorzubeugen. "Alle Kantone sollten nun eine Maskenpflicht in den Läden und den Schulen erlassen", sagt er. Es sei inzwischen bekannt, dass Kinder ab zehn Jahren ebenso Träger des Virus sein können.

Laut Eggimann gibt es in der Wissenschaft einen Konsens, dass Masken nützlich sind. "Nur eine Pflicht führt dazu, dass die Leute die Maske tragen und nicht schief angeschaut werden", betont er. Eine weitere Empfehlung lautet, je nach epidemiologischer Lage eine Maskenpflicht in den Zentren grösserer Städte einzuführen. Viele Städte in Europa hätten dies längst getan – zuletzt Brüssel.

Der Tessiner Infektiologe Andreas Cerny sieht die Situation ähnlich. "Im öffentlichen Raum, ob drinnen oder draussen, sollte eine Maskenpflicht herrschen, wenn die Abstände nicht eingehalten werden können", sagt er. Als Beispiele nennt er das Einkaufen im Supermarkt oder den Besuch im Restaurant, solange man nicht auf einem Platz sitzt.

"Es wäre eine sehr einfache Massnahme, um den Anstieg der neuen Fälle zu reduzieren", erklärt der Infektiologe. Es sei "gefährlich", dass in manchen Schulen wieder der Normalbetrieb herrsche. "Wie schnell es gehen kann, hat man auch bei den Beispielen der Jugendlager gesehen", betont Cerny.

Kritik am Bundesrat-Entscheid: "Wir halten die Lage für sehr labil"

Lukas Engelberger, Basler Regierungsrat und Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), ist offen für neue Massnahmen. "Der GDK-Vorstand hat den Kantonen, die mit anhaltend hohen oder steigenden Fallzahlen beziehungsweise beunruhigenden Entwicklungsprognosen konfrontiert sind, bereits empfohlen, weitergehende Massnahmen wie beispielsweise die Maskenpflicht in Verkaufsgeschäften anzuordnen", erklärt er.

Die möglichen Massnahmen seien aus der ersten Welle bekannt. Zusätzlich habe man nun Erfahrungen gesammelt und könne "die nötigen Massnahmen besser auf die Verhältnisse zuschneiden als in der ersten Welle, beispielsweise in Pflegeheimen, im Bildungswesen, in den Spitälern, in den Verkaufsgeschäften", führt Engelberger weiter aus.

Der Aussicht auf Grossveranstaltungen steht der GDK-Präsident kritisch gegenüber. "Wir beobachten die Entwicklung nicht erst seit heute mit Sorge und halten die Lage für sehr labil", betont er. "Wir hätten uns deshalb ein vorsichtigeres Vorgehen bei der Lockerung der Regelung bei den Grossveranstaltungen gewünscht."  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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Klare Worte von Superstar Tom Hanks: Wer sich weigere eine Maske zu tragen, für den habe er keinen Respekt, so der Schauspieler in einem Interview. Hanks hatte sich als einer der ersten Prominenten mit dem Coronavirus infiziert.