Nur im Kanton Bern ist bekannt, in welchen Gemeinden es wie viele Corona-Fälle gibt. In der Restschweiz wird darüber geschwiegen. Experten fordern, dass das Virus überall sichtbar gemacht wird.

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Neuerdings veröffentlicht der Kanton Bern die Corona-Fallzahlen pro Gemeinde. Dadurch soll das Virus sichtbar gemacht werden, wie "20min.ch" berichtet. Andere Kantone machen keine so detaillierten Angaben, und auch der Bund hält sich zurück. Wo die Corona-Hotspots in der Schweiz sind, bleibt somit im Dunkeln.

Veröffentlichung der Daten als "günstige Präventionsmassnahme"

Rudolf Minsch, Chefökonom bei Economiesuisse, hält das für einen Missstand. Die Bevölkerung wiege sich mit kantonalen Zahlen in falscher Sicherheit – selbst dann, wenn das Coronavirus im eigenen Wohnort ausbricht.

"Steigen in Ihrer Gemeinde die Fallzahlen stark an, werden Sie sich plötzlich vorsichtiger verhalten – weil die Gefahr konkret ist", erklärt er. Zudem würden Auswärtige nicht mehr zu Besuch kommen.

Minsch fordert, dass angesichts der steigenden COVID-19-Erkrankungen die Fallzahlen umgehend schweizweit nach Gemeinden aufgeschlüsselt werden. "Die Veröffentlichung der Daten ist eine günstige Präventionsmassnahme, die die Eigenverantwortung stärkt." Sie habe sich bereits gelohnt, wenn sie nur einen grösseren Ausbruch verhindere.

IT-Anwalt: "Ich wünsche mir, dass andere Kantone nachziehen"

IT-Anwalt Martin Steiger begrüsst die Transparenz des Kantons Bern. "Ich wünsche mir, dass andere Kantone nachziehen", sagt er. Die Zahlen würden zeigen, dass es überall Betroffene gebe, auch auf dem Land. "Die Zahlen helfen, die Pandemie besser zu verstehen."

Ein Datenschutzproblem sieht Steiger nicht. Zu statistischen Zwecken erlaube das Datenschutzrecht die Veröffentlichung. "Die Wahrscheinlichkeit, Rückschlüsse auf die Identität der Betroffenen zu ziehen, ist selbst in kleinen Gemeinden minimal", sagt er. Die Zurückhaltung der Behörden führt der IT-Anwalt auf eine vielerorts mangelnde Kompetenz im Umgang mit Daten zurück. "Die Open-Data-Kultur existiert noch lange nicht überall", erklärt er.

Veröffentlichte Corona-Fallzahlen werden in kleineren Orten zum Problem

Anderer Meinung ist jedoch die Gemeinde Wilderswil bei Interlaken, die auf der Liste im Kanton Bern steht. Gemeindepräsidentin Marianna Lehmann rät der Restschweiz davon ab nachzuziehen. "Der Corona-Fall sorgt in der Gemeinde für Verunsicherung. Man will wissen, wer krank ist, oder wagt sich nicht mehr aus dem Haus", sagt sie.

Beim Einkaufen werde sie etwa auf den Fall angesprochen. "In einer Stadt mag das gehen. In einem Dorf wie dem unsrigen ist die Veröffentlichung aber fragwürdig und führt zu Spekulationen", führt sie weiter aus. Lehmann habe Zweifel, dass die Massnahme tatsächlich Ansteckungen verhindert. In Wilderswil seien die Menschen bereits "sehr diszipliniert und halten Abstand".  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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