Die Vereinigten Staaten haben in der Coronakrise eine sechsstellige Opferzahl zu beklagen - und Experten befürchten weitere Anstiege. Demokrat Joe Biden griff Präsident Donald Trump scharf an.

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Noch zum Monatsbeginn hatte US-Präsident Donald Trump die Hoffnung geäussert, dass die Zahl der Corona-Toten in den USA unter 100.000 bleiben könnte. Diese Hoffnung hat sich nun zerschlagen. Seit Beginn der Pandemie sind im Land mehr als 100.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus ums Leben gekommen. Das ging am Mittwochabend (Ortszeit) aus Daten der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore hervor.

Die Zahl der bestätigten Infektionen in den USA lag nach Angaben der Universität bei rund 1,7 Millionen. Weltweit sind demnach mehr als 5,6 Millionen Fälle registriert worden - bei mehr als 350.000 Toten. Erst am Montag vergangener Woche war in den USA die Zahl von 90.000 Todesopfern überschritten worden.

Joe Biden reagiert schneller als Donald Trump

Offiziell gibt es noch keine Stellungnahme Trumps zu den neuen Zahlen, wohl aber von seinem Widersacher Joe Biden. Dieser wandte sich in einer Videobotschaft an die Amerikaner. "Die Nation trauert mit euch", sagte der Demokrat an die vielen Betroffenen gerichtet. "Es gibt Momente in unserer Geschichte, die so düster, so herzzerreissend sind, dass sie sich für immer als gemeinsames Leid in unsere Herzen brennen. Dies ist so ein Moment", so Biden weiter.

Zugleich kritisierte er das Vorgehen der Trump-Regierung: "Dieser dunkle Meilenstein hätte verhindert werden können." Er berief sich dabei auf Studien, wonach schon eine um eine Woche schnellere Reaktion bis zu 36.000 Leben hätte retten können.

Noch vor einigen Wochen war das Institut IHME der Universität Washington in Seattle davon ausgegangen, dass sich die Opferzahl in den USA im Hochsommer bei etwa 90.000 stabilisieren würde. Mittlerweile gehen die IHME-Wissenschaftler davon aus, dass die Zahl der Toten in den USA bis Anfang August auf rund 132.000 ansteigen könnte. Das IHME-Modell wird immer wieder aktualisiert - auch, weil die US-Bundesstaaten Eindämmungsmassnahmen inzwischen lockern.

Donald Trumps "Corona-Wunder" blieb bisher aus

Die Weisse Haus hat das IHME-Modell mehrfach für seine eigenen Prognosen herangezogen. Mitte April hatte Trump erklärt, seine Regierung rechne mit 60.000 bis 65.000 Toten infolge der Coronavirus-Epidemie in den USA. In der Frühphase des Ausbruchs hatte er noch von "wenige Fällen" gesprochen und erklärt, das Virus werde "wie durch ein Wunder" eines Tages einfach verschwunden sein. Wegen solcher Aussagen - vor allem aber wegen der Untätigkeit seiner Regierung in jener kritischen Frühphase – muss sich Trump nun viel Kritik anhören.

Wissenschaftler des Imperial College in London, deren Prognosen Trump in der Krise wiederholt zitiert hat, warnten am vergangenen Donnerstag, das Virus sei in den meisten US-Bundesstaaten noch nicht unter Kontrolle. Sollte die Mobilität von Menschen in den USA ohne weitere Kontrollmassnahmen wieder zunehmen, sei mit einem bedeutenden Wiederaufflammen der Epidemie zu rechnen.

Die Website der Forscher der Johns-Hopkins-Universität wird regelmässig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand bestätigter Infektionen als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation und der US-Gesundheitsbehörde CDC. In manchen Fällen wurden die Zahlen der Universität zuletzt allerdings auch wieder nach unten korrigiert.

Donald Trump forciert Wiedereröffnung der darbenden US-Wirtschaft

Trump drängt seit einiger Zeit darauf, dass Bundesstaaten die Schutzmassnahmen lockern, damit die schwer angeschlagene US-Wirtschaft wieder in Gang kommt. Seit der Zuspitzung der Coronavirus-Pandemie im März haben fast 39 Millionen Menschen in den USA mindestens zeitweise ihren Job verloren - so viele wie nie zuvor in solch kurzer Zeit.

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