• In der Schweiz gibt es seit dem 18. Januar eine Verpflichtung zum Homeoffice.
  • Nun hat sich eine Webseite in Stellung gebracht, auf der Arbeitnehmer ihre Firma melden können, sollte sie sich nicht an die Vorschriften halten.
  • Unternehmen wehren sich gegen dieses Vorgehen.
  • Experten raten zudem davon ab, den eigenen Arbeitgeber öffentlich anzuprangern.

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Wo es möglich und mit verhältnismässigem Aufwand umsetzbar ist, gilt seit dem 18. Januar eine Homeoffice-Pflicht. Weil sich nicht alle Firmen daran halten, hat es sich eine neue Webseite zur Aufgabe gemacht, diese Unternehmen öffentlich an den Pranger zu stellen.

Als Betreiber der Website wird in deren Impressum die "Initiative Homeoffice gegen Corona" mit Postfach in Bern genannt. Wer hinter der Initiative steckt, ist bislang nicht bekannt, wie die Website "20min.ch" berichtet.

Schweizer Arbeitnehmer können ihr Unternehmen dort öffentlich melden. Im Anschluss daran werden die Firmen über den Eintrag in Kenntnis gesetzt. Anhand der Rückmeldung wird entschieden, ob die Meldung plausibel ist oder nicht. Einer der Vorwürfe auf der Webseite sei jedoch bereits als eventuelle Falschmeldung markiert worden.

"Wir wollen öffentlichen Druck auf die Unternehmen ausüben, die sich nicht an die Regeln halten", erklären die Betreiber ihre Motivation. Damit wollen sie den Unternehmen eine Chance geben, das Problem selbst zu lösen, bevor eine Meldung ans Arbeitsinspektorat geht. Die bereits angeprangerten Firmen dementieren die Vorwürfe "20min.ch" gegenüber oder erklären, dass bei einer Minderheit der Angestellten kein Homeoffice möglich sei, etwa wegen Arbeit im Labor.

Verletzung der Homeoffice-Pflicht: Meldung ans Arbeitsinspektorat

Die kantonalen Arbeitsinspektorate haben bereits angekündigt, Büros überprüfen zu wollen. Michael Mauerhofer vom Amt für Wirtschaft und Arbeit im Kanton Basel-Stadt erklärt: "Wir gehen in erster Linie Meldungen nach, die bei uns eingehen." Die besagte Webseite sei ihm nicht bekannt, man sei jedoch dankbar für jeden Hinweis und gehe auch externen Meldungen nach.

Das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich teilt "20min.ch" mit, dass es als Vollzugsbehörde Informationen solcher privater Plattformen nicht nachgehen könne. Vielmehr müsse eine Meldung ans Arbeitsinspektorat mit konkreten und plausiblen Hinweisen gemacht werden.

Warnung vor Anprangerung: Weg an die Öffentlichkeit sollte immer der letzte sein

Serge Gnos, Mediensprecher der Gewerkschaft Unia, hegt Zweifel, ob sich der Online-Pranger für Arbeitnehmer lohnt. Er glaube nicht, dass das ein sinnvolles Mittel sei. Denn: Die konkrete Situation vor Ort ändere sich dadurch nicht, "aber das ist ja das Ziel". Es sei sinnvoller, bei Vorgesetzten oder bei der Personalkommission auf Missstände hinzuweisen.

Wenn man den internen Weg nicht gehen wolle, könne man sich auch anonym bei den Behörden melden. "Das Problem ist, auch schon vor Corona, dass die Arbeitsinspektorate nicht genügend Ressourcen haben, um allen Meldungen nachzugehen", erklärt Gnos.

Auch Martina Aepli, Fachanwältin SAV Arbeitsrecht von MME Legal Tax Compliance, rät zunächst dazu, das Problem intern anzusprechen. Erst wenn damit keine Erfolge erzielt werden, sollte man den Weg zu einer Behörde in Erwägung ziehen. Der Gang an die Öffentlichkeit solle aber immer der letzte Weg sein, betont sie. "Ein solches Vorgehen kann – je nach den Umständen – eine Verletzung der arbeitsrechtlichen Treuepflicht durch den meldenden Arbeitnehmer darstellen. Die Konsequenzen können bis hin zu Kündigungen reichen", warnt sie vor einer öffentlichen Anprangerung.  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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