• Trotz steigender Fallzahlen will der Bundesrat die Corona-Massnahmen in der Schweiz nicht verschärfen.
  • Das stösst besonders unter Epidemiologen auf Unverständnis.
  • Sie warnen vor den "schlimmsten Monaten" der Pandemie.

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Die Zahl der mit SARS-CoV-2 infizierten Menschen steigt immer weiter an. Mittlerweile gehört die Schweiz zu den Ländern mit den meisten Corona-Infizierten und -Todesopfern weltweit in Bezug auf die Einwohnerzahl.

Dementsprechend überraschend war es für viele Bürgerinnen und Bürger wie auch Virologen, dass sich der Bundesrat am 30. Dezember gegen eine Verschärfung der derzeitigen Corona-Massnahmen aussprach, wie Bundesratssprecher André Simonazzi auf Twitter bekannt gegeben hatte.

So sei der Bundesrat trotz der "besorgniserregenden" Situation "zum Schluss gekommen, dass die geltenden Massnahmen nicht verschärft werden müssen".

Die Regeln, die seit 22. Dezember in Kraft sind, sollen also unverändert gelten. Demnach ist es beispielsweise weiterhin bis zu 15 Personen möglich, sich im öffentlichen Raum zu treffen.

Unverständnis unter Bevölkerung und Virologen

Das können zahlreiche Bürger wie auch Expertinnen nicht nachvollziehen. Nun nicht die richtigen Entscheidungen zu treffen, könnte bald fatale Folgen haben. Selbst die Task-Force des Bundes forderte in ihrem jüngsten Bericht den "Einsatz von flächendeckenden, wirkungsvollen Massnahmen", da zudem eine hohe Dunkelziffer tatsächlicher Infektionen vermutet werde.

In den sozialen Medien machten auch einige Virologen ihrem Unverständnis Luft. Virologin Isabella Eckerle, Leiterin der Abteilung Infektionskrankheiten an den Unikliniken Genf empfahl auf Twitter, sich in einen freiwilligen Lockdown zu begeben.

Allerdings sei dies nicht für alle Menschen möglich, ist sich die Expertin bewusst. Sie prognostiziert: "Die kommenden Monate werden sicher die schwersten der gesamten Pandemie werden."

Epidemiologen fordern: "Zeit zum Handeln ist jetzt"

In einem weiteren Tweet machte sie klar: "Es gibt keine Ausrede, um in ein paar Wochen oder Monaten zu behaupten, dass dies unerwartet war, nicht vorhergesehen oder verhindert werden konnte. Alle notwendigen Informationen und dringend zu ergreifenden Schritte liegen auf dem Tisch. Die Zeit zum Handeln ist jetzt."

Unterstützung bekam sie von der Epidemiologin Emma Hodcroft. Sie forscht am Biozentrum der Uni Basel und fügte dem Tweet Eckerles eine Rechnung hinzu: Weniger Fälle ergäben gleich weniger Tote, weniger Einschränkungen, weniger negative Auswirkungen auf die Wirtschaft, weniger Langzeitfolgen und weniger volle Spitäler. Abschliessend fragte sie: "Warum opfern wir all das?"

Auch Bürger kritisierten auf Twitter zahlreich öffentlich den Entschluss des Bundesrates. Mittlerweile wenden sich zahlreiche Corona-Betroffene in einem offenen Brief an die Regierung und bitten um einen "sofortigen Kurswechsel".  © 1&1 Mail & Media/spot on news

Knapp 100 Ermittlungsverfahren gegen Ärzte wegen falscher Corona-Atteste

Viele Menschen wollen oder können keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Wer keine Maske trägt, muss ein Corona-Attest vorzeigen können. In Berlin sollen Dutzende Ärzte falsche Atteste ausgestellt haben. (Teaserbild: imago images / U. J. Alexander)