• Der Bundesrat hat keine neuen Corona-Massnahmen beschlossen, jedoch sowohl eine Verlängerung als auch eine Verschärfung des Teil-Lockdowns in Aussicht gestellt.
  • Erst am 13. Januar will der Bundesrat entscheiden, wie es weitergeht.
  • Nun hagelt es Kritik: Für die einen handelt der Bundesrat zu langsam, anderen gehen die Massnahmen zu weit.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

"Die Situation ist sehr schlecht", sagte Bundesrat Alain Berset bei der Pressekonferenz am Mittwoch (6. Dezember). "Die Fallzahlen gehen nicht zurück. Wir sind noch immer auf einem zu hohen Niveau."

Trotz der hohen Fallzahlen will der Bundesrat erst am 13. Januar darüber entscheiden, ob Gastronomiebetriebe sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen bis Ende Februar geschlossen bleiben. Auch ein harter Lockdown könnte drohen: Die Schweizer Bevölkerung sollte sich auf zusätzliche Massnahmen vorbereiten, etwa eine Verpflichtung zum Homeoffice, die Schliessung von Läden und eine stärkere Kontaktbeschränkung.

Dass der Bundesrat erst am 13. Januar endgültig darüber entscheiden will, stösst manchen sauer auf. "Wieder heisst es abwarten, obwohl wir wissen, dass die Zahlen so nicht stark genug sinken werden. Es hätte jetzt eine Homeoffice-Pflicht und Fernunterricht für die nicht obligatorischen Schulen gebraucht", sagte GLP-Präsident Jürg Grossen laut "20min.ch". Die Schweiz sei "immer ein paar Wochen zu spät".

Ähnlich äusserte sich auch Grünen-Präsident Balthasar Glättli. "Mit dem Entscheid, immer noch keine Homeoffice-Pflicht einzuführen, riskiert der Bundesrat, dass auch 2021 zu einem Corona-Jahr wird."

Geht es nach den Grünen, sollte ein harter, aber zeitlich begrenzter Lockdown beschlossen werden. Eine Homeoffice-Pflicht, Ladenschliessungen und weitere Kontaktbeschränkungen würden die Fallzahlen "rasch runterbringen", sagte Glättli. "Doch wir hinken mit den Massnahmen immer ein bis zwei Wochen hinterher – und mit den Entschädigungen gar ein bis zwei Monate."

Beschluss von weiteren Corona-Massnahmen und Impfungen zu langsam?

Nicht nur der Beschluss von weiteren Corona-Massnahmen, sondern auch die Impfungen gehen FDP-Vizepräsident Andrea Caroni zu langsam. "Es braucht eine gute, schnelle und durchschlagende Impfstrategie mit den dazugehörigen digitalen Tools", erklärte er. Das BAG habe es verschlafen, diese rechtzeitig zu beschaffen.

Auch SVP-Nationalrätin Esther Friedli kritisierte das zögerliche Impfen. "Wenn es in dem Tempo weitergeht beim Impfen, scheint es höchst fraglich, ob wir bis im Sommer alle impfen können, die das wollen", sagte sie.

Weiter kritisierte sie aber auch eine etwaige Verlängerung der Schliessung von Gastronomiebetrieben bis Ende Februar. "Alain Berset hat selber gesagt, dass verlässliche Zahlen zu den Ansteckungsorten nach wie vor fehlen. Es ist nicht nachvollziehbar, die Gastronomie jetzt schon vorsorglich bis Ende Februar zu schliessen, aber die Grenzen völlig offen zu halten. Wir müssen schauen, dass das Virus nicht mehr importiert wird", forderte Friedli.

Der Wirtschaftsverband Economiesuisse zeigte sich hingegen zufrieden mit dem Handeln des Bundes. "Der Bundesrat hat heute richtigerweise darauf verzichtet, eine Verschärfung der Corona-Massnahmen zu beschliessen", schrieb er in einer Mitteilung. "Die ungenügende Datenlage lässt momentan keine fundierten Entscheidungen zu."  © 1&1 Mail & Media/spot on news