Die Liste der wissenschaftlichen Tiefschläge des Jahres hat für das Fachmagazin "Science" 2017 vor allem ein Gesicht - das des US-Präsidenten.

Es war ein Jahr der Ernüchterung für viele Wissenschaftler in den USA: Ein Präsident, der Fakten misstraut und dessen Entourage "alternative Fakten" bemüht, hat Forschergemeinde und Regierung im Rekordtempo entfremdet.

"Es ist ein Zusammenbruch epischen Ausmasses, ohne nahe liegende Lösung", resümiert das US-Fachjournal "Science" in seiner Auflistung wissenschaftlicher Niederlagen des Jahres.

Der angekündigte Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaabkommen, das Zurückfahren zahlreicher nationaler Massnahmen zum Schutz von Umwelt oder Wasser und die Forderung nach Budgetkürzungen für die grossen Wissenschaftsbehörden sind ein Teil des Problems.

Trumps Personalpolitik stösst auf Kritik

Hinzu kommt Donald Trumps Personalpolitik. Wichtige Positionen an der Spitze der Umweltbehörde EPA und des Energieministeriums etwa hat er mit Wissenschafts- und Klimawandel-Skeptikern besetzt.

Trumps Wunschkandidat für die Nasa, deren Satelliten auch Klimaeffekte untersuchen, zweifelt ebenfalls am Klimawandel.

Weiterhin vakant ist dafür die Position des Wissenschaftlichen Beraters im Weissen Haus. "Es ist wichtig, dass Wissenschaftler (mit dem Weissen Haus) zusammenarbeiten und Prioritäten für das Forschungsbudget des Präsidenten setzen, Ratschläge geben", betont der Republikaner Arden Bement, der unter Präsident George W. Bush unter anderem das Nationalinstitut für Standards und Technologie leitete.

US-Regierung gibt Sprachregelungen aus

Für Aufregung hatten auch Sprachregelungen gesorgt. So war im Energieministerium der Begriff "Klimawandel" nicht so gern gesehen.

Und jüngst legte die US-Regierung den für Gesundheit zuständigen Centers of Disease Control (CDC) nahe, auf Begriffe wie "Transgender", "Fötus" oder "auf der Grundlage von Beweisen" in bestimmten Publikationen zu verzichten - auch wenn die CDC-Direktorin betonte, es gebe keinen Wörter-Bann.

Der "March for Science" brachte im Frühjahr allein in der Hauptstadt Washington rund 100 000 Menschen auf die Strasse. Doch ob durch ihn der öffentliche Druck oder nur der Bruch zwischen Regierung und Wissenschaft grösser wurde, ist umstritten.

Auf einem grossen Treffen der Nationalen Wissenschaftsakademien im November, traditionell dem Austausch zwischen Forschung und Administration gewidmet, nahm zumindest kein einziger Regierungsvertreter teil.

"Science" beklagt Schlappen für die Wissenschaft

Aber Schlappen gab es auch in anderer Hinsicht für die Wissenschaft, moniert "Science": So kochte die #MeToo-Debatte in den USA auch in akademischen Reihen hoch.

Forscherinnen verklagten im September das renommierte Salk-Institut (San Diego), weil der dortige "Alt-Herren-Club" Forschungsgelder und -räume unter sich aufteile und Frauen benachteilige.

Auch in Universitäten in Boston und New York strengten Studierende Klagen wegen sexueller Übergriffe ihrer Lehrer an.

Und auch für Meeressäuger war 2017 kein gutes Jahr. Nach dem Scheitern eines aufwendigen Rettungsplans ist der Kalifornische Schweinswal, von dem im Golf von Kalifornien nur noch 30 Exemplare leben, vom Aussterben bedroht.

Auch um die Zukunft des Atlantischen Nordkapers, eines grossen Glattwals, und des Narwals mit seinem markanten Fünf-Meter-Stosszahn, sieht es nach neuen Untersuchungen schlecht aus.  © dpa

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