Das Fussball-Jahr 2016 ist fast vorbei. Es war spannend, es war intensiv. Und es waren wieder einige Überraschungen, Enttäuschungen und Aufreger dabei. Hier kommen die Fussball-Highlights des Jahres.

Die Überraschung des Jahres

Es gibt sie noch, die Fussball-Märchen. In England wurde dieses Jahr Eines geschrieben. Leicester City holte sich im Sommer mit zehn Punkten Vorsprung den Premier-League-Titel.

Das ist nicht nur insofern bemerkenswert, da Leicester sich gegen die fünf Teams durchgesetzt hat, die die Englische Meisterschaft sonst unter sich ausspielen (Manchester United, Manchester City, FC Chelsea, FC Arsenal, Tottenham Hotspur). Die Umstände, unter denen die "Foxes" ihre erste Meisterschaft holten, waren bemerkenswert.

In der Saison 2014/15 war Leicester nur knapp dem Abstieg entronnen, daher war das Ziel von Trainer Claudio Ranieri, der erst zu Saisonbeginn 2015/16 verpflichtet wurde, nichts anderes als der Klassenerhalt. Der Marktwert des Kaders war laut "transfermarkt.de" mit 91,25 Millionen Euro der zweitkleinste der Premier League.



Doch Ranieri zeigte, dass Geld im Fussball nicht alles ist. In Leicester entwickelte sich ein Teamgeist, der seinesgleichen sucht. Der Star war die Mannschaft. Ex-DFB-Kicker Robert Huth hielt die Abwehr zusammen, im Mittelfeld räumte N'Golo Kanté alles ab. Und vorne wurden mit Riayd Mahrez und Jamie Vardy zwei Spieler zu Superstars, die niemand auf der Rechnung hatte.

Der Algerier Mahrez kam im Jahr 2014 für nur 750.000 Euro aus der zweiten französischen Liga nach Leicester und schlug voll ein. In der Meistersaison kam der dribbelstarke Rechtsaussen auf 17 Tore und 10 Vorlagen und belegte beim Ballon-d'Or-Ranking Platz 7.

Einen Platz dahinter landete Sturmpartner Vardy. Auch Vardy wurde von Leicester von einem unterklassigen Verein verpflichtet, er kam 2012 aus der vierten englischen Liga. 2015/16 explodierte seine Leistung dann. 24 Tore schoss der pfeilschnelle Stürmer und belegte so Rang zwei in der Torjäger-Liste der Premier League. Das ein vorbestrafter, inzwischen 29-Jähriger, noch eine so steile Karriere hinlegt, ist fast genauso eine Sensation wie der Titel von Leicester.

Der Spieler des Jahres

Es war das Jahr des Cristiano Ronaldo. Der Portugiese spielte die vielleicht erfolgreichste Saison seiner Karriere. Zwar musste sein Verein Real Madrid sich in der Spanischen Meisterschaft am Ende mit Platz zwei begnügen, allerdings gewannen die Madrilenen die Champions League.

Für Ronaldo, der mit 16 Treffern die Torschützenkönig in dem Wettbewerb wurde, war es bereits der dritte Champions-League-Titel. Mit 51 Toren in 48 Pflichtspielen für Real schloss der 31-Jährige eine weitere überragende Saison ab.

Das Highlight des Jahres für Ronaldo war aber mit Sicherheit die Europameisterschaft in Frankreich. Als Underdog gestartet kämpften sich seine Portugiesen bis ins Finale und schlugen dort den grossen Favoriten und Gastgeber Frankreich nach Verlängerung.

Dabei sah es lange danach aus, als würde Ronaldo der tragische Held dieses Finales werden. In der ersten Halbzeit wurde er unter Tränen verletzungsbedingt ausgewechselt. Fortan gab sich Ronaldo an der Seitenlinie als eine Art Co-Trainer und feuerte seine Mitspieler ununterbrochen an - es half.

Endlich holte sich Ronaldo also seinen ersten Titel mit der Nationalmannschaft. Die Auszeichnung mit dem Ballon d'Or war daher nur logische Konsequenz.



Das Team des Jahres

Was gab es im Vorfeld des Turniers ein Hickhack um den DFB-Kader für die Olympischen Spiele in Rio. Bei der Nominierung seiner Mannschaft musste Trainer Horst Hrubesch so einige Hindernisse aus dem Weg räumen. Zum einen konnte er Stars wie wie Leroy Sané und Joshua Kimmich nicht nominieren, da sie bereits bei der EM im Einsatz waren. Ausserdem stellten sich viele Vereine bei der Abstellung ihrer Profis quer, da diese dadurch den Start in die Bundesliga-Saison verpassen würden.

Dennoch gelang es Hrubesch ein schlagkräftiges Team zusammen zu stellen, angeführt von den Bender-Zwillingen Lars und Sven und Nils Petersen (nur drei Spieler durften laut Reglement über 23 Jahre alt sein).

Nach anfänglichen Schwierigkeiten harmonierte die bunt zusammengewürfelte Truppe immer besser untereinander und startete einen Siegeszug, der sie direkt ins Finale führte. Dort traf man auf die favorisierten Gastgeber aus Brasilien, die mit Superstar Neymar antraten.

Doch auch hier hielt die DFB-Elf gut mit und zwang die Brasilianer ins Elfmeterschiessen. Dort vergab der Freiburger Petersen leider den entscheidenden Elfer. Doch auch die Silber-Medaille bei der ersten Teilnahme an dem Olympia-Turnier seit 1988 war ein voller Erfolg.

Das Spiel des Jahres

Erste Runde im DFB-Pokal. Ein klassischer Fall von "David gegen Goliath". Am 21.08.2016 empfing der Regionalligist SpVgg Unterhaching den Bundesligisten 1. FSV Mainz 05. Das Spiel nahm am Anfang auch den zu erwartenden Lauf. Als Yunus Malli in der 88. Minute das 3:1 für die Gäste erzielte, war das Spiel entscheiden - sollte man meinen.

Doch was dann passierte, überraschte alle: Der Underdog aus Unterhaching warf alles nach vorne, erzielte tatsächlich noch zwei Tore und rettete sich in die Verlängerung.

Von da an ging es hin und her. Mainz drängte auf die Entscheidung, verlor allerdings in der 113. Minute Verteidiger Giulio Donati mit einer Gelb-Roten Karte. Das gab dem Viertligisten weiteren Auftrieb, die nun ihrerseits um ein Haar die Führung erzielt hätten.

Doch die Verlängerung blieb torlos und so ging es ins Elfmeterschiessen. Dort versagten allerdings gleich den ersten beiden Schützen aus Unterhaching die Nerven und sie verschossen. Somit zog der Bundesligist aus Mainz in Runde zwei ein und Haching musste sich geschlagen geben.

Die Enttäuschung des Jahres

Die Vorfreude auf die EM 2016 im Sommer war gross - in diesem Jahr wurde sie allerdings komplett enttäuscht. Die Europameisterschaft in Frankreich war im Grossen und Ganzen ein Turnier zum Vergessen. Schuld daran ist die UEFA.

Mit der Aufstockung der Teilnehmerzahl von 16 auf 24 Teilnehmer erhoffte sich der europäische Fussballverband den Anschluss kleinerer Länder an die grossen Fussballnationen. So waren es statt sonst vier in diesem Jahr sechs Gruppen und es wurde das Achtelfinale als zusätzliche Runde eingeführt. Somit qualifizierten sich nicht nur die beiden Gruppenersten, sondern auch vier besten Gruppendritten für das Achtelfinale.

Das wirkte sich direkt auf die Qualität der Spiele aus. Die kleinen Teams stellten sich hinten rein, um nach Möglichkeit einen Punkt gegen die Favoriten abzustauben. Die Favoriten taten sich zumeist äussert schwer damit. Für den neutralen Fussball-Fan waren die meisten Spiele nicht schön anzusehen.

Natürlich gab es auch einige positive Aspekte und Erfolge. So spielten sich die Isländer mit ihrem Kampfeswillen in die Herzen der Fussball-Fans. Auch die Anhänger des Fussball-Zwergs begeisterten mit ihrem Fan-Gesang. Die Isländer kämpften sich bis ins Viertelfinale vor und scheiterten da an Gastgeber Frankreich.

Auch die Waliser, vor dem Turnier als absoluter Aussenseiter gehandelt, spielten ein grossartiges Turnier. Das Team um Superstar Gareth Bale kam bis ins Halbfinale, scheiterte da jedoch an Europameister Portugal.

Doch gerade der Titelgewinn der Portugiesen zeigt, wie verkorkst das aktuelle Turniersystem ist. Im Grossen und Ganzen spielten Cristiano Ronaldo & Co. kein gutes Turnier. Bis zum Halbfinale gewann die Portugiesen kein (!) Spiel nach regulärer Spielzeit. In der Gruppenphase quälten sie sich mit drei Unentschieden auf Rang 3, Achtel- und Viertelfinale gewannen sie nach Verlängerung bzw. Elfmeterschiessen.

Da kann man die neuesten Vorschläge von FIFA-Chef Gianni Infantino fast verstehen. Der Schweizer hatte angeregt, bei der WM das Unentschieden abzuschaffen.

Allerdings will Infantino auch die WM auf 48 Teams in 16 Dreiergruppen aufstocken. Das Spielniveau könnte in diesem Zuge weiter auf der Strecke bleiben.