Ein Handschlag, der nicht stattfand: Das war eines der am heissesten diskutierten Themen in der Schweiz im Jahr 2016. Zwei Schüler aus Syrien weigerten sich, Lehrerinnen die Hand zu reichen - und fanden, dass die Gründe dafür auf der Hand liegen.

Es war nur eine Zwischenbemerkung in der "Arena"-Sendung zum Thema "Angst vor dem Islam" am 1. April 2016. Aber sie brachte einen Stein ins Rollen, der international für Aufsehen sorgte: Die ehemalige FDP-Kantonsrätin Beatrix Grüter merkte an, dass junge Moslems an einer Schweizer Schule den Lehrerinnen nicht mehr die Hand reichen würden. Konkret spielte sie dabei auf zwei 14- und 15-jährige Brüder aus Syrien an, die in der Sekundarschule Therwil (BL) aus religiösen Gründen Frauen keine Hand reichen würden.

Ein grosses Medienecho und hitzige Debatten folgten. Die zwei Brüder begründeten ihre Handschlag-Verweigerung damit, dass sie "dem weiblichen Geschlecht Respekt zollen" wollten. "Niemand kann uns zwingen, Hände zu berühren", sagten sie im April der "Sonntagszeitung". Sie wollten nicht provozieren, sondern lediglich ihren Glauben leben, hiess es.


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Heftige Proteste

Um zu vermeiden, dass die Situation eskaliert, hatte der Schulleiter den Jungen dies gestattet. Ein Entscheid, der zu heftigen Protesten führte. Es wurde bekannt, dass die Brüder in einem streng religiösen Umfeld aufgewachsen waren. Der Vater arbeitet als Imam in der König-Faysal-Moschee, die als fundamentalistisch gilt. Politiker, Lehrer und sogar Muslime kritisierten das Vorgehen des Schulleiters. Eine mehrwöchige hitzige Debatte entstand. Sogar die BBC und die "Washington Post" berichteten über die Handschlag-Verweigerer. Mitte Mai erklärte die Schulbehörde den Händedruck dann für alle zur Pflicht. Selbst für die Schulleitung in Therwil war dieser Entscheid eine Erleichterung, da er Klarheit brachte.


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Weiterhin kein Handschlag

Mit dem Rechtsgutachten stehen den Behörden seit Mitte Mai verschiedene Sanktionen wie Bussen bis zu 5.000 Franken zur Verfügung, um die Forderung nach einem Händedruck durchsetzen zu können. Zudem müssen Verstösse laut Reglement dem Baselbieter Amt für Migration (AfM) gemeldet werden. Im Falle der Therwiler Familie hatte der Wirbel um die Handschlagverweigerung bereits im April dazu geführt, dass ihr Einbürgerungsgesuch sistiert wurde. Trotzdem weigerten sich die beiden Brüder weiterhin, Lehrerinnen die Hand zu geben. Einer von ihnen ist mittlerweile ausgeschult.

Auch im Kanton Genf reagierte man auf die Handschlagverweigerung. Die Erziehungsdirektion des Kantons gab eine Broschüre zum Thema Religion und Schule heraus, die dem Lehrpersonal als Leitfaden im Umgang mit schwierigen Situationen dienen soll. Mit dem Büchlein sollen Affären wie die in Therwil verhindert werden.