Für viele Sportfans waren die Tage vom 5. bis 21. August 2016 die vielleicht schönsten des Jahres. Dann nämlich wurden die Olympischen Sommerspiele in Brasilien ausgetragen. Die ersten Spiele auf südamerikanischem Boden brachten eine Menge Highlights.

Ob strippende Ringertrainer, emotionale Heiratsanträge oder ein Last-Minute-Sieg – an viele Geschichten aus Rio de Janeiro wird man sich vermutlich noch lange erinnern. Doch es gab auch weniger Schönes: Eine Pannen-Serie erregte die Gemüter und eine Lügengeschichte verkam zur Posse.

Wir blicken zurück auf die besten Storys, grössten Skandale und schillerndsten Sportler vom Sommerevent in Rio:

Die Olympia-Showmen danken ab

"Um mundo novo" lautete das Motto von Olympia 2016. Zu Deutsch: "Eine neue Welt". Auf eine neue Welt werden sich künftig auch Usain Bolt und Michael Phelps einstellen müssen – die Olympia-Superstars nahmen 2016 das letzte Mal an den Spielen teil.

Und ihre "Abschieds-Tournee" nutzten beide Ausnahmeathleten, um ihre Konkurrenz einmal mehr zu düpieren. Der US-Amerikaner Phelps schwamm im Wasser mal wieder allen davon und der Jamaikaner Bolt verwies auf der Tartanbahn die Sprint-Kontrahenten auf die Plätze.

Phelps hatte eigentlich schon nach London 2012 die Badeshorts an den Nagel hängen wollen, doch der Wechsel ins Leben nach dem Profisport verlief holprig. So trat er in Rio erneut an – und feierte dort fünf weitere Olympiasiege. 28 Medaillen erschwomm Phelps in insgesamt 63 olympischen Rennen – davon strahlen 23 in Gold.

Seinen letzten grossen Auftritt nutzte er zudem, um einen über 2000 Jahre währenden Olympiarekord zu brechen: Bei fünf Olympischen Spielen konnte der Schwimmer 13 Einzelsiege feiern – und damit einen mehr als der bisherige Rekordhalter Leonidas von Rhodos.



Ein bisschen heller noch strahlte der Stern von Usain Bolt. In der zweiten Woche der Spiele trat der Jamaikaner auf den Plan – denn dann begannen die Leichtathletik-Wettbewerbe. Für den Sprintkönig waren es bereits die vierten Olympischen Spiele.

In dieser Zeit gewann er neun Goldmedaillen – drei davon in Rio. Somit machte er seinen Titelhattrick-Hattrick perfekt: In drei aufeinanderfolgenden Sommerspielen gewann Bolt jeweils alle drei Sprint-Wettbewerbe - sowohl über 100 Meter, wie auch über 200 Meter und 400 Meter (in der Staffel) konnte dem Sprinter erneut keiner das Wasser reichen.

Mit Usain Bolt dankte nicht nur ein Ausnahmesportler in Rio ab, sondern auch eine der schillerndsten und zugleich polarisierendsten Athleten des Olympiageschichte.



Der Harting ist raus, lang lebe der Harting

Nicht wenigen Zuschauern wird die Kinnlade heruntergeklappt sein, als die deutsche Goldhoffnung Robert Harting bereits in der Final-Qualifikation des Diskuswerfens die Segel streichen musste. "Es ist ein schlimmer Moment, die menschlichen Ressourcen sind leider begrenzt", sagte der 31-Jährige danach sichtlich geknickt im Sportschau-Interview. Ein Hexenschuss machte Hartings Medaillenträumen den Garaus.



Nicht viel weniger Zuschauern dürfte die Kinnlade noch viel weiter heruntergeklappt sein, als Deutschland dennoch Gold im Diskuswerfen gewann – und zwar durch Christoph Harting, den jüngeren Bruder von Robert Harting!

Bis zum letzten Wurf lag der jedoch nur auf dem vierten Rang - der favorisierte Pole Piotr Malachowski führte bis dato die Wertung an. Doch mit dem letzten Versuch schleuderte Harting den Diskus auf die Jahresbestweite von 68,37 Meter - Malachowski blieb nur der zweite Platz.

Als guter Gewinner erwies sich Harting aber nicht. Bei der Siegerehrung hampelte der 26-Jährige auf dem Podest herum, pfiff bei der Hymne vor sich hin und zog die Veranstaltung ins Lächerliche. Später entschuldigte er sich dafür: "Du bist noch halb im Wettkampfmodus und hormontechnisch völlig übersteuert", so der Olympiasieger zur ARD.



Hambüchens vergoldetes Karriereende

Rybalko, Adler, Quast, Absprung: Es waren die letzten Reck-Figuren in Fabian Hambüchens langer Olympia-Karriere. Und die turnte der Bergisch-Gladbacher so tadellos, dass am Ende die lang ersehnte Goldmedaille heraussprang.

Damit rundete der 29-Jährige seine Olympiakarriere optimal ab. 2004 in Athen war Hambüchen als jüngster männlicher Starter (16) in der deutschen Delegation das erste Mal bei Olympia dabei.

Bronze und Silber konnte Hambüchen dann 2008 beziehungsweise 2012 bereits gewinnen – doch erst 2016 schaffte es der Turner bei seiner letzten Olympiateilnahme und seiner letzten olympischen Übung am Reck, die Goldmedaille zu erturnen.

Und das, obwohl die Voraussetzungen alles andere als optimal waren. Hambüchen war vor dem Turnier lange verletzt. Ausserdem musste er im Finale als erster der acht Teilnehmer ans Gerät – eine Bedingung, die kein Turner liebt. Dennoch: Die 15,766 Punkte des Deutschen konnte keiner mehr toppen – besser kann man sich sein Olympia-Karriereende wohl nicht vorstellen.



Mit Kreuzbandriss zum "Hero de Janeiro"

Ein anderer deutscher Turner imponierte bei den Olympischen Spielen durch Teamgeist und Leidensfähigkeit.

Bei der Bodenübung der Turnqualifikation des Mannschaftswettbewerbs kam Andreas Toba unglücklich auf der Matte auf und riss sich das rechte Kreuzband. "Der körperliche Schmerz ist auszuhalten", sagte er daraufhin. "Die Schmerzen in meinem Herzen, in meiner Seele, sind unbeschreiblich."

Nicht wenige gestandene Sportler hätten bei so einer Verletzung wohl unverzüglich den Gang ins Krankenhaus angetreten. Doch Toba wollte sein Team nicht im Stich lassen - und brillierte anschliessend für die deutsche Delegation am Pauschenpferd.

"Als ich auf der Pritsche lag, ging mir durch den Kopf: Du musst dem Team helfen. Und das habe ich getan, trotz der irren Schmerzen", brachte er es später auf den Punkt.

Mit getapetem Bein erturnte der Hannoveraner die höchste deutsche Wertung am Gerät. Danach humpelte er von der Bühne und liess den Tränen freien Lauf. Durch Tobas Kampfgeist schaffte es Deutschland letztlich ins Finale und der Turner avancierte zum "Hero de Janeiro".



Der mongolische Striptease

Was macht man, wenn dem Schützling bei Olympia die sicher geglaubte Bronzemedaille aberkannt wird? Richtig, man zieht sich vor Wut bis auf die Unterhose aus.

So geschehen in Rio 2016. In der Ringer-Gewichtsklasse bis 65 Kilogramm führte der Mongole Mandakhnaran Ganzorig im Kampf um Platz drei lange gegen den Usbeken Ichtijor Nawrusow mit 7:6 Punkten.

Kurz vor Ablauf der Zeit sprang der mongolische Ringer bereits vor Freude durch den Ring. Sein Gegner hatte dadurch keine Chance mehr, einen Punkt zu erzielen. Die Jury bewertete dies als Unsportlichkeit und der Usbeke bekam nachträglich einen Punkt zugeschrieben – und der Kämpfer, der bei einem Unentschieden den letzten Punkt erzielt, gewinnt das Duell.

Ganzorig verlor den Kampf und somit die Bronzemedaille. Das wollten seine Trainer jedoch so nicht akzeptieren. Vor Wut fingen die Mongolen an, sich die Kleider vom Leib zu reissen. Einer der Trainer stand am Ende nur noch in Unterhose auf der Matte. Auf den unerwarteten "Striptease" reagierte das Publikum mit "Mongolei, Mongolei"-Sprechchören.



Doch alles Lamentieren half nicht, Nawrusow blieb der Sieger.

Die Posse um den Lügen-Lochte

Für den Skandal der Sommerspiele sorgte der US-amerikanische Schwimmer Ryan Lochte.

Im Vorfeld zu Olympia wurde ausgiebig darüber diskutiert, wie sicher Sportler und Touristen in Rio de Janeiro seien. Die Stadt weist eine hohe Kriminalitätsrate auf.

Bis auf kleinere Vorfälle blieb es jedoch lange ruhig - bis Ryan Lochte und andere US-Schwimmer behaupteten, überfallen worden zu sein. Der Fall erregte weltweit Aufmerksamkeit.

Das Problem: Lochte und Co. wurden gar nicht ausgeraubt – die Sportler hatten den Vorfall frei erfunden. Viel schlimmer noch: In Wahrheit hatten die US-Amerikaner – allen voran Lochte – zur vermeintlichen Tatzeit an einer brasilianischen Tankstelle randaliert.

Die Polizei fahndete nach den Athleten. Zwei konnten in Brasilien gestellt werden. Lochte war jedoch bereits zurück in den USA – einem Shitstorm und den Verlust lukrativer Sponsorenverträge musste er dennoch hinnehmen. Da half dann auch keine Entschuldigung mehr.



Grünes Wasser als Sinnbild einer Pannenserie

Einschusslöcher im Reitzentrum, geringe Zuschauerzahlen oder kalte Duschen in den Sportanlagen: Die ersten Olympischen Spiele auf südamerikanischem Boden verliefen nicht ganz reibungslos.

Die spektakulärste Panne jedoch war wohl das grün verfärbte Wasser in den Sportbecken. Durch einen Defekt in den Umwälzungsanlagen fehlten dem Wasser Chemikalien. Das veränderte den pH-Wert und begünstigte eine erhöhte Algenbildung.

Die Veranstalter gaben aber schnell Entwarnung - für die Athleten bestand kein Gesundheitsrisiko. Allerdings klagten einige Wasserballer über schmerzende Augen nach Kontakt mit dem Wasser. Zudem soll es bisweilen unangenehm gerochen haben.

Der Fauxpas verkam schnell zum Lacher: Der deutsche Brettspringer Stephan Feck etwa postete auf Facebook ein Foto mit seinen Kollegen, auf dem sie in grüner Farbe zu sehen sind. "Wenn der Pool seine Farbe nicht wechselt, dann machen wir das", schrieb er dazu.



Auch wenn die Verfärbung (zum Glück) für die Sportler kein Risiko darstellte, es stand dennoch sinnbildlich für die "Pannen-Spiele", als die Olympia 2016 sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird.



Heiratsmarkt Olympia

Erst eine Silbermedaille und dann der goldene Ring. Die Chinesin He Zi wurde nach der Siegerehrung der Wasserspringerinnen im Maria Lenk Aquatics Centre von ihrem Freund mit einem rührenden Heiratsantrag überrascht.

Qin Kai, ebenfalls Medaillengewinner in Rio, pirschte sich nach der Zeremonie an seine Angebetete heran und ging sodann vor ihr auf die Knie. Nach einer längeren Ansprache stellte er schliesslich die Frage aller Fragen – und He gab ihm unter Freudentränen das Ja-Wort.

"Ich dachte: Was macht er da? Soll das ein Heiratsantrag werden? Ich war ein wenig schüchtern, weil es alle Leute sehen konnten", berichtete die Sportlerin nach der Überraschung.

Es war bereits die zweite Olympia-Verlobung: Wenige Tage zuvor gab es beim Rugby-7er-Finale der Damen eine ebenso herzerwärmende Szene. Marjorie Enya, freiwillige Helferin bei den Spielen, griff nach dem Endspiel zwischen Australien und Neuseeland das Mikro und machte ihrer Lebensgefährtin Isabella Cerullo einen Antrag. Wie He sagte auch die brasilianische Rugby-Spielerin "Ja".



Es war der erste öffentliche Heiratsantrag eines lesbischen Pärchens. Olympia schreibt die schönsten Geschichten.