Der Nationalrat will das Burka-Verbot auf die ganze Schweiz ausdehnen - dass der Ständerat zustimmt, gilt als unwahrscheinlich. Eine Volksentscheid hätte weit bessere Aussichten auf Erfolg.

Der Nationalrat hat sich mit einer knappen Mehrheit für ein landesweites Burka-Verbot ausgesprochen. Vorbild ist dabei der Kanton Tessin, der am 1. Juli dieses Jahres ein Verhüllungsverbot umsetzte. Die Stimmbürger folgten damit einer 2013 eingebrachten Initiative. Musliminnen müssen im öffentlichen Raum ihr Gesicht zeigen – dies gilt auch für Touristinnen aus dem arabischen Raum.

Erste Busse im Tessin

In Chiasso gab es Ende Juli auch tatsächlich die erste Strafe. Eine Frau aus Kuwait stand mit verhülltem Gesicht vor einem Restaurant. Sie musste eine Busse von 100 Franken zahlen und ihren Schleier abnehmen.

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Verhüllungsverbot entzweit

Das Burka-Verbot entzweit die Schweiz nach wie vor. Dass der aus Vertretern der 26 Kantone gebildete Ständerat einem nationalen Verhüllungsverbot zustimmt, gilt als wenig wahrscheinlich. Anfang des Jahres hatte sich dessen staatspolitische Kommission mit grosser Mehrheit dagegen ausgesprochen. Verhüllungen aus religiösen Gründen seien in der Schweiz äusserst selten und stellten kein echtes Problem dar, argumentierte die Kommission.

Die Befürworter starteten jedoch mit einer Unterschriftenaktion für die Volksinitiative "Ja zum Verhüllungsverbot". Für sie sind Burka und Nikab ein Symbol des Islamismus und der Unterdrückung der Frauen. Die SVP-nahen Initiatoren haben bis zum 15. September 2017 Zeit, die erforderlichen 100.000 Unterschriften zusammenzubringen.

Unterschriftenliste mit prominenter Unterstützung

Auch Prominente wie die Autorin Julia Onken, oder Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forum für einen fortschrittlichen Islam, unterstützen die Initiative. Das Verbot ist für die Frau eine Möglichkeit, sich als Mensch und nicht als Phantom in der Öffentlichkeit zu zeigen.

"Sehr viele Frauen seien dankbar, bekämen sie die Möglichkeit, ihren Schleier abzunehmen", meinte Keller-Messahli in einem "Blick"-Interview.

Bei der Abstimmung im Kanton Tessin sagten 65 Prozent Ja zum Burka-Verbot. Laut Umfragen würden heute rund 60 Prozent der wahlberechtigten Schweizer dafür stimmen, wenn es zu einem landesweiten Volksentscheid kommt.