Das Verschwinden des zwölfjährigen Paul im Juni dieses Jahres bewegte die Schweiz. Nach acht Tagen holte ein Spezialeinsatzkommando den Jungen aus der Wohnung eines Düsseldorfers. Paul hatte den Mann bei einem Internetspiel kennengelernt.

Am 18. Juni gaben die Eltern des zwölfjährigen Paul aus Gunzgen im Kanton Solothurn bei der Polizei eine Vermisstenmeldung auf. Der Knabe hatte am Samstag um 13.30 Uhr mit dem Velo das Haus verlassen und kehrte nicht mehr zurück. Am Anfang ging die Polizei davon aus, dass der Teenager die Absicht hatte, auszubüxen.

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Als das Velo des Verschwundenen am Dienstag im Nachbarort Härkingen gefunden wurde, befürchteten die Eltern und die Solothurner Kantonspolizei das Schlimmste. Mit Hilfe von Spezialeinheiten und der Zusammenarbeit mit Fedpol, dem Bundeskriminalamt Wiesbaden, der Polizei in Düsseldorf und sogar dem FBI gelang es der Polizei schliesslich auf die richtige Spur zu kommen. Gut eine Woche nach Pauls Verschwinden entdeckte die Polizei den Jungen in der Wohnung eines 35 Jahre alten Mannes in Düsseldorf.

Der Zugriff erfolgte gegen 1.30 Uhr. Werner C., wie der Verhaftete in deutschen Medien genannt wurde, war nackt und mit dem Knaben allein in der Wohnung gewesen und hatte sich widerstandslos festnehmen lassen.

Paul hatte den Mann über das Online-Spiel "Minecraft" kennengelernt. Ein an und für sich harmloses Aufbauspiel, bei dem sich der Protagonist aus Blöcken eine eigene Welt erschafft, eine Art digitales Lego.

Über Computerspiel kennengelernt

Im Zuge der Ermittlungen erhärtete sich der Verdacht, dass der Mann mit dem Knaben während mindestens einem Monat über das Spiel im Internet Kontakt hatte. Am Tag seines Verschwindens war der Junge bis zuletzt online. Zunächst habe man jedoch nach der berühmten Nadel im Heuhaufen gesucht, sagte der Chef der Kantonspolizei Solothurn, Urs Bartenschlager, später an der Medienkonferenz.

Werner C. muss in die Psychiatrie

Im Fall des Schweizer Jungen attestiert das Gericht elf Missbrauchstaten unterschiedlicher Schwere. Darunter sei auch eine Vergewaltigung gewesen. Hinzu kommt der Besitz von Kinderpornografie. Werner C. muss unbefristet in eine geschlossene Psychiatrie.