Das technische Wunderwerk namens Gotthardtunnel hat seine Feuertaufe im Juni bestanden: Die ersten beiden Züge erreichten das Ziel auf der jeweils anderen Seite. Für Bundesrat Didier Burkhalter wurde die Eröffnung allerdings zu einem schmerzhaften Erlebnis.

Er ist 57 Kilometern lang, bis zu 2300 Meter tief und 260 Güter- sowie 65 Passagierzüge durchqueren ihn täglich. Nach 17 Jahren Bauzeit, in der 28,2 Millionen Kubikmeter Gestein bewegt wurden, konnte der Gotthardbasistunnel am 2. Juni mit einem grossen Festakt eröffnet werden. Selbst die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der italienische Premierminister Matteo Renzi waren bei der Eröffnungsfahrt dabei.

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Längster Tunnel der Welt

Die Eidgenossen können nun stolz von sich behaupten, dass der längste und auch der tiefste Tunnel durch ihr Land führt. Der Gotthardbasistunnel gilt als das Herzstück der neu ausgebauten Bahnstrecke zwischen Nord- und Südeuropa. Er verbindet die Industriezentren Belgiens, Deutschlands, Italiens, der Niederlande und der Schweiz. Von dem bis 2020 geplanten Vollausbau soll vor allem der Frachtverkehr auf der Nord-Südstrecke zwischen den Hafenstädten Rotterdam und Genua profitieren. Für die EU ist die Bahnstrecke unter den Alpen eine "lebenswichtige Verbindung" zwischen den Nordsee-Häfen von Rotterdam und Antwerpen und den Adria-Häfen.

Bis zu 250 Stundenkilometer

Personenzüge können den neuen Tunnel mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h durchfahren. Dadurch verkürzt sich etwa die Reisezeit zwischen Zürich und Mailand um rund eine halbe Stunde, ab 2020 ist sogar eine Zeitersparnis von rund einer Stunde möglich. Beachtliche acht Meter Durchmesser haben die Röhren, die durch 178 Querstreben miteinander verbunden sind. Und wer sich weitere Zahlen des eindrucksvollen Bauwerks merken will: Insgesamt wurden 290 Kilometer Schienen und 380.000 Schwellenböcke verlegt. Schon 1947 entwickelte der Schweizer Ingenieur Carl Eduard Gruner die Idee für den Riesentunnel. Nach seinen Vorstellungen sollte das Projekt zum Jahr 2000 fertiggestellt sein.

Ein Fehltritt mit Folgen

Doch nicht allen bleibt der 2. Juni 2016 in guter Erinnerung. Für Bundesrat Didier Burkhalter etwa wurde er zum schmerzhaften Erlebnis. Als der Aussenminister am Südportal in Pollegio aus dem Zug ausstieg verletzte er sich am linken Fuss. Wochenlang musste der Neuenburger eine Schiene tragen und mit Krücken gehen. Ein kleiner Fehltritt, der dem grossen Ereignis jedoch keinen Abbruch tat.