Bei "Menschen 2017", dem Jahresrückblick des ZDF, darf der FDP-Boss am Donnerstagabend ausführlich zu den gescheiterten Koalitionsverhandlungen Stellung nehmen. Gastgeber Markus Lanz geht BVB-Boss Watzke auf die Nerven, während eine 80-Jährige zum heimlichen Star der heillos überladenen Show wird.

Die Weihnachtszeit soll eigentlich eine Zeit der Besinnung sein. Zum Durchatmen und auch zum Zurückblicken.

Auch deshalb laufen in diesen Tagen auf allen Sendern Rückblicke auf das Jahr 2017, das in wenigen Tagen zu Ende sein wird. Am Donnerstagabend war das ZDF an der Reihe, Gastgeber Markus Lanz lud zur Show "Menschen 2017".

"In jedem Jahr passiert viel mehr, als man in so eine Sendung packen kann", sagte Lanz. Die Sendungsmacher bemühten sich aber, trotzdem möglichst viele Themen in der Show zu behandeln, sodass "Menschen 2017" trotz deutlich mehr als zwei Stunden Sendezeit ziemlich gehetzt wirkte.

Gerne hätte man über den einen oder anderen Gast mehr erfahren, für die einzelnen Themen waren kaum mehr als ein paar Minuten eingeplant.

Ernst wurde es gleich zu Beginn der Sendung, als auf die zahlreichen Terroranschläge an verschiedenen Orten überall auf der Welt eingegangen wurde. In London, in Stockholm, in Manchester, in Barcelona und in New York City.

Thematisiert wurde auch der schreckliche Amokangriff in Las Vegas.

Ginter erlebte schon zwei Anschläge

Im April wurde auch Borussia Dortmund Opfer eines Anschlags. Vor dem Champions-League-Viertelfinale gegen den AS Monaco detonierten Sprengsätze am Mannschaftsbus, Abwehrspieler Marc Batra und ein Polizist wurden verletzt.

Verteidiger Matthias Ginter und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke waren in der Show zu Gast, um mit Lanz über das Erlebte zu sprechen.

Besonders Ginter, der mit der Nationalmannschaft schon die Anschläge in Paris erlebt hatte, war der Schock auch Monate später noch anzumerken.

Das Spiel war einen Tag später nachgeholt worden, der damalige Trainer Thomas Tuchel hatte die schnelle Neuansetzung mit deutlichen Worten kritisiert.

Ob er sich auch intern so deutlich gegen den Austragung des Spiels geäussert habe, wollte Lanz von Watzke wissen. "Nein", widersprach Watzke knapp.

Die genauen Umstände der Trennung zwischen Tuchel und der Borussia sind nach wie vor nicht bekannt. Und Watzke würde es auch gerne dabei belassen.

Watzke ist von Lanz' Fragen genervt

Doch Lanz wollte es nun ganz genau wissen und fragte mehrfach nach, obwohl Watzke offensichtlich nicht über das Thema Tuchel sprechen wollte.

"Wäre Thomas Tuchel noch Trainer, wenn das nicht passiert wäre?", fragte der Showmaster. "Das ist rein hypothetisch", entgegnete der genervte Watzke: "Das hat vielleicht irgendwo da mit reingewirkt. Aber eine Trainerentscheidung fällt nicht durch so eine Sache."

Danach war Watzkes Auftritt beendet, der BVB-Boss dampfte bedient ab. Ob er noch einmal Gast bei Lanz' Jahresrückblick sein wird, darf stark bezweifelt werden.

Die "Helden von Barmbek" hätten hingegen gerne etwas mehr Redezeit gehabt. Die Männer hatten einen Messerstecher in Hamburg überwältigt und den IS-Sympathisanten der Polizei übergeben.

"Es steht nirgends im Koran, das man so etwas tun soll", distanzierte sich Mohamed Bousbia, der wie der Täter Muslim ist, deutlich von religiösem Terror: "Es ist eine Schande, im Namen des Islam so etwas zu tun."

Gerne hätte man mehr von den Männern und ihren Ansichten gehört, aber es kamen nicht einmal alle der Barmbeker Helden zu Wort.

Viel Sendezeit für Christian Lindner

Ganz anders dagegen Christian Lindner, dem Auftritt des FDP-Chefs wurde mit Abstand die meiste Zeit eingeräumt. "Ab Donnerstagnacht war erkennbar: Das wird nix", erklärte Linder das Aus bei den Jamaika-Verhandlungen: "Die Wahlversprechen waren widersprüchlich, das geht nicht zusammen."

Lindner erhielt viel Applaus, wurde zur Begrüssung allerdings auch von Teilen des Publikums ausgebuht. Der Mann polarisiert eben.

"Eine Sache war falsch. Mich auf das Verfahren von Frau Merkel eingelassen zu haben", berichtete Lindner über die gescheiterten Verhandlungen mit zahlreichen Unterhändlern, Papierkram und Auftritten auf einem Balkon.

Überhaupt erweckte Lindner den Eindruck, nicht der grösste Fan der Kanzlerin zu sein. "Jamaika wäre auch Groko gewesen. Unter Frau Merkels Führung ist es immer Groko", sagte Lindner, der sich mit Lanz die Fragen und Antworten so geschickt hin- und herspielte, dass der Eindruck entstand, die beiden hätten den Dialog schon ein- bis zweimal durchgeprobt.

Krankenpfleger fragt Lindner aus

Gut, dass Alexander Jorde dazukam. Der Krankenpfleger, der schon Angela Merkel mit Fragen zum Pflegenotstand ein wenig sprachlos gemacht hatte, fühlte auch Lindner hinsichtlich des Themas auf den Zahn.

Lindner war davon zunehmend genervt - Jorde scheint ein Talent für unangenehme Fragen zu haben. Vielleicht sollte er Showmaster werden. Oder Politiker.

Ob es entsprechende Angebote schon gegeben habe, wollte Lanz wissen. Lieber nicht, antwortete Jorde, "denn als Politiker muss man manchmal lügen". Dafür erhielt er den lautesten Applaus des Abends und ein energisches Kopfschütteln von Lindner.

Am Ende verständigte er sich mit dem FDP-Mann darauf, den Politiker einen Tag lang bei dessen Arbeit zu begleiten. Dafür wird Lindner mit Jorde einen Tag in der Pflege arbeiten.

Auf dieses Experiment darf man gespannt sein, sicherlich ist Markus Lanz mit der Kamera dabei.

80-Jährige als heimlicher Star

Ansonsten war die Sendung vollgepackt mit Gästen: Elyas M'Barek, Mark Forster, die Ehrlich Brothers, zwei Teenager, die eine Mathe-App entwickelt und für 20 Millionen verkauft hatten, zwei Bombenentschärfer, eine Apnoe-Taucherin, die einen Hurrikan überlebt hatte, und viele mehr.

Heimlicher Star der Show war aber Heidi Hetzer. Die 80-Jährige war alleine in ihrem Oldtimer "Hudo" um die Welt gereist.

Die ehemalige Rennfahrerin fuhr von Europa über Asien nach Australien und Neuseeland, setzte von dort in die USA und nach Südamerika über, bevor es von Kapstadt aus durch Afrika zurück nach Europa und in ihre Heimatstadt Berlin ging.

Auf ihrer Reise hatte sich die resolute Dame bei einer Motorreparatur zwei Finger abgetrennt. Aber nicht einmal das konnte Hetzer aufhalten, am nächsten Tag ging die Fahrt weiter.

Hetzer erzählte die eine oder andere Episode von ihrer spektakulären Reise. Bestimmt hätte sie auch gerne noch ein bisschen mehr erzählt, aber dies war eines der Hauptprobleme des ansonsten recht unterhaltsamen Jahresrückblicks.

Bei "Menschen 2017" war einfach zu wenig Zeit für die einzelnen Gäste. Christian Lindner mal ausgenommen.