Der Amokschütze von München besorgte sich seine Waffe offenbar im Darknet. Das will die "Süddeutsche Zeitung" aus Ermittlerkreisen erfahren haben.

Die Glock 17, mit der David S. am Freitagabend in München neun Menschen und sich selbst tötete, war offenbar eine reaktivierte Theaterwaffe. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) soll der Täter sie selbst wieder schussfähig gemacht haben.

Das Beschusszeichen stammt der SZ zufolge aus dem Jahr 2014. Danach sei die Waffe nicht mehr scharf gewesen, aber wieder gebrauchsfähig gemacht worden. Laut SZ trägt sie ein Prüfzeichen aus der Slowakei.

Die Polizei hatte nach der Tatnacht insgesamt 58 Patronenhülsen sichergestellt. Alle bis auf eine stammten aus der Tatwaffe.

Zugang zu Darknet nur auf Einladung

Beim Darknet oder Darkweb (zu deutsch: "Dunkles Netz") handelt es sich um einen Teil des Internets, der unabhängig vom "World Wide Web" funktioniert. Das Darknet besteht aus Peer-to-Peer-Overlay-Netzwerken, bei dem die Teilnehmer die Verbindungen untereinander manuell herstellen. Ein Zugang dazu ist normalerweise nur auf Einladung möglich.

Über Online-Schwarzmärkte im Darknet werden unter anderem Drogen und Waffen oder auch gestohlene Identitäten und Hacking-Dienste verkauft.

Starke Orientierung an andere Amokläufe

Bei seiner Tat hat sich David S. offenbar stärker an dem Amoklauf von Anders Behring Breivik in Norwegen und dem Amoklauf in Winnenden orientiert als bisher angenommen. Laut SZ war der 18-Jährige selbst nach Winnenden gefahren, hatte sich dort umgesehen und Fotos gemacht.

Ausserdem fanden Ermittler auf dem Rechner von David S. laut SZ einen über 1.500 Seiten langen Text von Breivik - sein sogenanntes "Manifest". Die Polizei dementiert das jedoch auf einer Pressekonferenz am Sonntagnachmittag.

David S. wurde medikamentös behandelt

Die Zeitung veröffentlicht auch neue Erkenntnisse über die psychische Erkrankung des Amokläufers von München. Vergangenes Jahr habe er sich zwei Monate lang in stationärer psychiatrischer Behandlung im Klinikum Harlaching befunden. Seitdem sei er in ambulanter Behandlung gewesen.

David S. habe unter Depressionen, einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung sowie unter sozialer Phobie gelitten. Er sei auch medikamentös behandelt worden.

(am/ank)