• Die Töchter eines verstorbenen Hochschulprofessors werfen "Exit" schwere Fehler vor.
  • Die Bedenken der Angehörige gegen den Sterbehelfer sowie die mögliche Depression des Vaters seien laut der Töchter ignoriert worden.
  • Exit kündigte Verbesserung bei komplexeren Krankheitsbildern an.

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Die Angehörigen eines Verstorbenen erheben Vorwürfe gegen die Sterbehilfeorganisation "Exit" und werfen der Organisation schwere Fehler vor, berichtet das Onlinemagazin "Republik".

Im Mittelpunkt steht dabei der Freitod eines 84-Jährigen. "Exit" will sich zu den Vorwürfen nicht im Detail äussern und verweist auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte des Verstorbenen.

Im aktuellen Fall geht es um den Tod des ehemaligen Hochschulprofessors Ernst Berger, der an einem grünen Star gelitten und Angst vor Erblindung gehabt haben soll. Im November 2019 wählte er mit der Hilfe von "Exit" den Freitod.

Im September 2019 sei der Mann davon ausgegangen, in den nächsten zwei Monaten zu erblinden, berichtet die jüngste seiner Töchter dem "Republik"-Magazin: "Exit war für ihn eine Art Versicherung, dass er im Fall einer drastischen Verschlechterung seiner Augen selbst­bestimmt sterben könnte."

Die Tochter hatte allerdings Einwände geltend gemacht, auf Panikverhalten und eine mögliche Depression des Vaters verwiesen. Auch soll eine Ärztin keine Verschlechterung der Sehkraft festgestellt haben. Im Gespräch mit dem "Exit"-Sterbehelfer seien diese Umstände allerdings ignoriert worden, so die Angehörigen.

Hinweis auf mögliche Depression sei von "Exit" ignoriert worden

"Das Gespräch war ein einziges Desaster", sagt eine zweite Tochter Bergers laut "Republik". Der Sterbehelfer habe an der bedenklichen psychischen Verfassung ihres Vaters kein Interesse gezeigt. Ein Folgegespräch habe nicht stattgefunden, der Wunsch, den Sterbehelfer auszutauschen, wurde von der Organisation abgelehnt. Laut Bericht soll nach knapp 50 Minuten der Vater die notwendigen Dokumente unterschrieben haben. Die Tochter: "Von dem Moment an ging alles in rasendem Tempo weiter und war nicht mehr aufzuhalten.

"Exit" kommentierte die Vorwürfe gegenüber dem Magazin knapp. "Exit"-Medien­sprecher Jürg Wiler antwortete: "Die Aussagen, wie sie im Text aufgeführt sind, können wir nicht bestätigen." Die Organisation sagte aber zu, dass zukünftig die Begutachtung bei komplexen Diagnosen (Demenz, Mehrfachdiagnosen, u.a.) durch mehr Fachpersonal sicherer gemacht werden soll und ein fünfköpfiges Abklärungsteam die Fälle bearbeiten werde.

Die Möglichkeit der aktiven Sterbehilfe von "Exit" nutzen immer mehr Schweizer: 2020 schieden 913 Menschen begleitet aus dem Leben - zehn Jahre zuvor waren es 257 Sterbewillige.

Die meisten dieser Menschen leiden an Krebs oder an Altersmorbidität sowie an chronischen Schmerzen. Das Durchschnittsalter der Anfragenden liegt bei knapp 79 Jahren und betrifft mehr Frauen als Männer.


Sind Sie in Trauer? Hier gibt es Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143
Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen
Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29
Lifewith.ch, für betroffene Geschwister
Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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