Das Tessin ist offenbar besonders von mafiösen Aktivitäten betroffen. Der Bundesrat entwickelte deshalb den Aktionsplan "Antimafia" für den Südkanton. In Graubünden steigt nun die Befürchtung, dass die Clans ausweichen könnten.

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Die Mafia in der Schweiz wird offenbar wieder zunehmend zum Problem. Im September 2019 gab Fedpol-Direktorin Nicoletta della Valle zu, dass die Polizei die Mafia "leider bisher unterschätzt" habe. Der Kampf gegen die Banden und Clans sollte deswegen verstärkt werden, wie das SRF berichtet.

Umsiedlung ins Misoxtal?

Zusammen mit den Behörden des Kantons Tessin arbeitet die Landesregierung nun am Aktionsplan "Antimafia". "Das Risiko mafiöser Aktivitäten ist in den südlichen Grenzkantonen vor allem im Tessin hoch. Deshalb wird der Aktionsplan 'Antimafia' auf das Tessin ausgerichtet sein", lautet eine Antwort des Bundesrats auf die Interpellation von CVP-Nationalrat Fabio Regazzi. Der Plan soll laut "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) in den nächsten vier Jahren konkret umgesetzt werden.

Im November forderte die Gemeindepräsidentin von San Vittore, Nicoletta Noi-Togni, den Bundesrat dazu auf, den Aktionsplan auf Italienisch-Bünden auszuweiten. "Wenn nur im Tessin etwas passiert, ziehen die Kriminellen zu uns ins Misox und es siedeln sich noch mehr mafiöse Geschäfte an", sagte sie gegenüber "Südostschweiz".

Peter Peyer, Chef des Bündner Departements für Justiz, Sicherheit und Gesundheit, erklärte gegenüber der NZZ: "Es besteht die Möglichkeit einer Verlagerung mafiöser Tätigkeiten vom Tessin ins Misoxtal, wenn der Aktionsplan des Bundes auf den Südkanton beschränkt ist."

Im Misox wurde laut NZZ eine verdächtig hohe Anzahl an Briefkastenfirmen registriert: Im Jahr 2017 waren es 1.600 Firmen bei einer Einwohnerzahl von nur 8.300 Personen. Ob hinter den Briefkastenfirmen jedoch die Mafia stecke, könne man "pauschal so nicht behaupten", sagt der Bündner Volkswirtschaftsdirektor Marcus Caduff.

Neue Generation der Mafia will in die Schweiz kommen

In der Schweiz will sich offenbar eine neue Generation Mafiosi niederlassen. "Sie wollen in der Schweiz Bankkonten eröffnen und Geschäfte machen. Das müssen wir verhindern", erklärt Florian Näf, Sprecher des Bundesamtes für Polizei (Fedpol).

Die Mafia profitiere vom hiesigen Finanzplatz, um Geldwäsche zu betreiben. Ausserdem werde die Schweiz als Rückzugsgebiet genutzt. Dabei seien die Mafiosi nicht nur im Tessin oder Wallis aktiv, sondern auch in anderen Kantonen und Schweizer Städten.

Erste Massnahmen bereits ergriffen

Den Aktionsplan habe man nur deswegen gemeinsam mit den Tessiner Behörden erstellt, weil dem Südkanton durch seine Nähe zu Italien besonders bewusst sei, welche Probleme die Mafia mit sich bringe. Mit der Kantonspolizei Graubünden stehe man zudem bereits in Kontakt.

Erste Massnahmen wurden laut NZZ bereits ergriffen: Einreiseverbote und Ausweisungen würden noch konsequenter gehandhabt werden. Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen dürfe zudem nicht nur auf Sicherheitsbehörden bezogen sein. Laut Norman Gobbi, Chef des Tessiner Justiz- und Polizeidepartements, müsse auch ein Austausch mit Migrations- und Steuerämtern sowie jenen Behörden stattfinden, die für Sozialversicherungen oder die Erteilung öffentlicher Aufträge verantwortlich sind. (tae)  © 1&1 Mail & Media / SN

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