Ob Schreiner, Grafiker oder Fachfrau für Gesundheit: Schweizer Auszubildende verspüren in ihrer Lehre häufig zu viel Druck. Das legen zumindest neueste Ergebnisse der Befragung "Lebenswelten" nahe.

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Die Pädagogische Hochschule St. Gallen hat 953 Lernende aus der Ostschweiz befragt. Wie kommen sie in ihrer Ausbildung zurecht? Werden sie ausreichend eingelernt? Haben sie das Gefühl, den Ansprüchen gerecht zu werden? Die Rückmeldungen sind nicht gerade positiv.

Keine Zeit, zu hohe Erwartungen

Wie erste Ergebnisse der bislang noch nicht veröffentlichten Studie "Lebenswelten" zeigen, fühlen sich viele Auszubildende in ihrer Tätigkeit überfordert. Mehr als die Hälfte aller Befragten bejahte die Frage nach zu hohen Anforderungen mit "teilweise" bis "völlig".

"Ich muss arbeiten, als wäre ich fertig mit der Lehre", wird beispielsweise ein Automobilfachmann im ersten Lehrjahr von "20 Minuten" zitiert.

Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich bei der Frage nach dem Arbeiten unter Zeitdruck. Hier gaben mehr als 60 Prozent aller Befragten an, dass diese Situation auf ihr Unternehmen "teilweise" bis "völlig" zutreffe. Jeder Zehnte würde sich mehr Verschnaufpausen wünschen.

Wie kann das sein?

Andrea Ruckstuhl, stellvertretender Programmleiter von Job Caddie, erklärt sich die Ergebnisse wie folgt: Die Lernenden "wollen leisten", seien jedoch schnell damit überfordert, "plötzlich liefern zu müssen", da sie "zum ersten Mal im Arbeitsleben stehen".

Zudem hätten die Auszubildenden in der Regel kaum Zeit, sich in die Aufgaben umfassend einarbeiten zu können und die Betreuung durch andere Mitarbeiter falle häufig mangelhaft aus.

Studie noch nicht abgeschlossen

Dennoch bleibt festzuhalten: Sollten die Befragten ihren Zeitdruck am Arbeitsplatz auf einer Skala von eins bis fünf einstufen, so lag der Mittelwert bei 2,84.

Wie passt das zusammen? Dieser Frage will Studienautorin Anja Gebhardt weiter nachgehen. "Die Ursachen für den erlebten Zeitdruck in der Berufsausbildung werden im weiteren Verlauf der Studie vertieft", sagt sie. (cos)  © 1&1 Mail & Media / SN