• Eine Bar im Thurgau will die neue Zertifikatspflicht mit einem Trick umgehen.
  • Die Bar möchte ihre Räume für eine Selbsthilfegruppe zur Verfügung stellen, um trotzdem öffnen zu können.
  • Rechtsexperten sind skeptisch, ob die Idee den Gesetzen standhält.

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Im Thurgau wehrt sich eine Bar gegen die zum Schutz gegen die Ausbreitung von Corona eingeführte Zertifikatspflicht, die seit Beginn der Woche gilt, meldet das Nachrichtenportal "20 Minuten".

Unter vielen Beschäftigten im gebeutelten Gastgewerbe ist die Zertifikatspflicht umstritten, weil dadurch ein Rückgang der Kundschaft und damit der Einnahmen befürchtet wird.

Mit einem pfiffigen Trick will der Betreiber von "Joe’s Bar" nun die Auflagen umgehen und gründete zu dem Zweck eine Selbsthilfegruppe. Als Mitglied der sogenannten "Selbsthilfegruppe für Diskriminierungsopfer" soll damit täglich von 18 bis 24 Uhr auch ohne Zertifikat eine Bewirtung möglich sein.

Die Bar würde damit Stammgäste in Gruppenmitglieder umwandeln und könnte den Betrieb als Gruppenveranstaltung wie bisher weiterlaufen lassen. Die maximale Anzahl von 50 Personen soll dabei aber eingehalten werden.

Auf Facebook bekam die "Selbsthilfegruppe" viele Likes

Bei vielen kam die Idee gut an. Unter dem Facebook-Post der Bar häufen sich die positiven Kommentare, er wurde hunderte Mal geteilt. "Absoluter Hammer", "Super Idee", heisst es etwa in den Kommentaren. Manche sehen aber auch einen Konflikt ins Haus stehen: "Finde ich ganz toll!", schreibt ein User. "Aber wie soll das rechtlich standhalten, wenn die Polizei nun vor der Tür steht?"

Rechtsexperten halten die Idee für juristisch nicht haltbar

Der St. Galler Rechtsanwalt Patrick Stach sieht die Sache skeptisch. Der Plan, die Zertifikatspflicht mit einer List zu umgehen, halte einer rechtlichen Überprüfung nicht stand, erklärt er "20 Minuten". "Von der Zertifikatspflicht ausgenommen sind nur Treffen etablierter Selbsthilfegruppen in den Bereichen der Suchtbekämpfung und der psychischen Gesundheit."

Darüber hinaus gelten auch für Selbsthilfegruppen die Corona-Regeln: Neben der Einschränkung von Personen in Innenräumen gilt Maskenpflicht und die Erhebung der Kontaktdaten. Auch ist der Verzehr von Speisen und Getränken untersagt.

Stach sagte laut dem Nachrichtendienst weiter: "Es kommt somit nicht in Frage, dass der Barbetrieb – mit Ausschank von Getränken – auf legale Weise ohne Zertifikatspflicht unter dem Vorwand der Selbsthilfegruppe weitergeführt wird."

Auch der Rechtswissenschaftler und ehemalige Rektor der Universität Luzern, Paul Richli, sieht das so. Handele es sich um ein Vereinslokal, dürfe zudem keine öffentliche Werbung gemacht werden.  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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