• Die Schweizer Ärztin Erika Preisig begleitete 2016 eine psychisch kranke Frau in den Tod.
  • Das Baselbieter Kantonsgericht verhandelt jetzt darüber, ob psychisch Kranke ein Recht auf den Freitod haben.
  • Der Fall gilt als wegweisend für die Schweiz.

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Vor dem Baselbieter Kantonsgericht wird seit Freitag ein wegweisender Fall zur Sterbehilfe in der Schweiz verhandelt. Es geht um den Fall der Ärztin Erika Preisig, die 2016 eine damals 68-jährige psychisch kranke Frau in den Freitod begleitet hatte.

Das Gericht entscheidet nun darüber, ob psychisch kranke Menschen auch ein Recht auf den Freitod haben - gesetzlich ist dies bislang nicht klar geregelt.

Ärztin wurde in erster Instanz freigesprochen

Der Ärztin, die als Präsidentin der Sterbehilfeorganisation "Eternal Spirit" fungiert, wird vorgeworfen, dass sie damals kein unabhängiges psychiatrisches Gutachten zur Urteilsfähigkeit der Patientin eingeholt hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vorsätzliche Tötung vor, weil sie ihrer Sorgfaltspflicht nicht genügend nachgekommen sei.

Im Juli 2019 hatte das Baselbieter Strafgericht Erika Preisig in der ersten Instanz vom Hauptanklagepunkt der vorsätzlichen Tötung freigesprochen. Wegen der Abgabe von Medikamenten an eine psychisch kranke Frau sprach das Gericht sie jedoch schuldig und verurteilte sie zu 15 Monaten Freiheitsentzug sowie einer Zahlung von 20.000 Franken.

Sowohl die Verurteilte als auch die Staatsanwaltschaft legten darauf Berufung gegen das Urteil ein.

War die verstorbene Frau urteilsfähig?

Vor dem Kantonsgericht geht es jetzt erneut um den strittigen Punkt der Urteilsfähigkeit der Verstorbenen. Erika Preisig verteidigte ihr Vorgehen am ersten Prozesstag erneut, wie das SRF berichtet. Sie habe die Frau nie als explizit depressiv und entsprechend stets als urteilsfähig wahrgenommen, sagte Preisig.

Um sich rechtlich abzusichernm hätte die Ärztin gerne einen Psychiater oder eine Psychiaterin für ein Gutachten herbeigezogen, dies jedoch aufgrund vergangener Erfahrungen als aussichtslos beurteilt, da ihre zahlreichen Anfragen stets abgewiesen worden seien.

Der Fall Preisig hat für die Sterbehilfe in der Schweiz einen wegweisenden Charakter. Es geht um die gesetzliche Klärung der Frage, bei welchen Diagnosen ein psychiatrisches Fachgutachten notwendig ist. Das Baselbieter Kantonsgericht wird sein Urteil am 7. Mai eröffnen, der Fall wird wohl aber noch vor dem Bundesgericht verhandelt werden.

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Suizid-Gedanken betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge unter der Telefonnummer 08 00/ 11 10 - 111 (Deutschland), 142 (Österreich), 143 (Schweiz).  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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