Der Untergang des Abendlandes - so meinen einige - nimmt im Sand gleich hinter dem Berliner S-Bahnhof Neukölln seinen Lauf.

Denn in einer Seitenstrasse mit schmucklosen Mietskasernen ist ein Spielplatz gebaut worden, der die Märchenwelt von "Ali Baba und den 40 Räubern" zum Thema hat. Folglich ist dort ein hölzerner Kuppelbau mit gelbem Halbmond an der Spitze entstanden.

Verschwörungstheoretiker und vermeintliche Hüter des Abendlandes sehen in dem Projekt einen Beleg für den angeblichen Vormarsch des Islam in Deutschland. "Jetzt werden schon Spielplätze zu religiösen Einrichtungen", schrieb die Berliner AfD-Fraktion auf Twitter - schon vor Wochen, als erste Bilder der Baustelle auftauchten. Hasserfüllte Kommentare machten in der Folge die Runde.

Dabei hat die Gestaltung mit Religion gar nichts zu tun. "Die Debatte ist wirklich absurd", sagt Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) bei der Eröffnung. "Wir haben hier keine Moschee gebaut, sondern eine orientalische Burg." Ziel sei es, Geschichten zu erzählen, die Fantasie der Kinder anzuregen, sie in eine Märchenwelt eintauchen zu lassen. Neben dem fünf Meter hohen Kletterhaus mit Kuppel finden sich auch hölzerne Palmen, ein Basar, ein fliegender Teppich sowie Ali Baba und eine Schatztruhe auf dem Gelände.

Die Kinder der Ali-Baba-Kita schlugen das Thema vor

"Solche Themenspielplätze sind in Berlin und in Deutschland keine Seltenheit", erläutert Spielplatzplaner Axel Kruse. "Sie liegen seit 20 Jahren im Trend." Ob mit Jim Knopf, Schneewittchen und den sieben Zwergen oder Bernd dem Brot - in Neukölln gibt es schon einige solcher Spielplätze. Seit 15 Jahren auch einen zu den Märchen aus 1001 Nacht. "Gestört hat sich daran bisher niemand", sagt Kruse.

Bei dem neuen Spielplatz wollten die Verantwortlichen nun alles richtig machen. Sie befragten die Nachbarschaft, welches Märchen sie sich wünschten. Schliesslich wurde es Ali Baba, weil die Kinder einer gleichnamige Kita um die Ecke das vorschlugen. "Wie man daraus eine politische und religiöse Diskussion machen kann, ist mir unbegreiflich", sagt Kita-Leiterin Güldane Yilmaz. "Religion hat in der Kita nichts zu suchen." Allerdings, räumen die Beteiligten ein, habe es auch bei einigen Eltern Bedenken gegen das Projekt gegeben.

Die befürchteten Zwischenfälle bei der Eröffnung blieben aber aus - sieht man von dem Trubel ab, den ein rot gekleideter Nikolaus mit Süssigkeiten bei den Kindern auslöste. Und den Kita-Knirpsen ist die politische Debatte bei der Eröffnungsfeier sowieso egal. Ungeduldig warteten sie auf das "Sesam öffne dich", dann stürmten sie ihren neuen Spielplatz mit lautem Geschrei. Das Kletterhaus mit Kuppel und Halbmond nahmen sie sofort in Beschlag.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Textes hiess es unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa, der Spielplatz musste unter Polizeischutz eröffnet werden. Das ist nicht korrekt. Polizeibeamte und -fahrzeuge, die unweit des Geschehens an der Einfahrt zur Strasse mit dem Spielplatz postiert waren, befanden sich dort nach Angaben der Polizei-Pressestelle nicht im Zusammenhang mit der Spielplatzeröffnung. Wir haben die entsprechenden Stellen im Text korrigiert.

ler/Stefan Kruse/dpa

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