Die Petition "Gerechtigkeit für Betroffene sexueller Gewalt" fordert schärfere Gesetze bei sexuellen Übergriffen. Bereits 37.000 Menschen haben die Petition unterschrieben, die Amnesty International Schweiz am Donnerstag überreichte.

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37.000 Schweizer unterstützen die Petition "Gerechtigkeit für Betroffene sexueller Gewalt". Amnesty International Schweiz überreichte am Donnerstag die Unterschriftenliste, mit der unter anderem schärfere Gesetze bei sexuellen Übergriffen gefordert werden.

Definition von Vergewaltigung sei nicht zeitgerecht

"Sex ohne Zustimmung ist Vergewaltigung", stand auf einem grossen Plakat, das die Aktivisten und vor allem Aktivistinnen am Donnerstag in Bern hochhielten. Sie forderten die Bundesrätin Karin Keller-Sutter und das neue Parlament dazu auf, die Definition von sexueller Nötigung und Vergewaltigung im Strafgesetzbuch zu ändern.

"Sex braucht die Zustimmung aller Beteiligten. Alle sexuellen Handlungen ohne Einwilligung müssen endlich angemessen bestraft werden können", zitiert Amnesty International Manon Schick, die Geschäftsleiterin der Menschenrechtsorganisation in der Schweiz.

Laut Amnesty International hätten viele Opfer wegen veralteten und eng gefassten Definitionen oft keine Chance vor Gericht. Das geltende Sexualstrafrecht fokussiere sich zu stark auf das Verhalten der Opfer und konzentriere sich nicht darauf, ob es eine beidseitige Einwilligung gegeben hat. Ein Grossteil der Frauen werde ohne Anwenden von physischer Gewalt sexuell misshandelt.

Diese Massnahmen werden gefordert

Mit der Petition fordern die fast 37.000 Menschen und 37 Organisationen "umfassende Massnahmen". Es sei wichtig, Betroffene zu schützen, schreibt Amnesty International in der Petition. Gefordert wird eine Revision des Strafgesetzbuches, "damit alle sexuellen Handlungen ohne Einwilligung adäquat bestraft werden können". Auch eine verbindliche Ausbildung und Schulung von Justiz und Polizei wird gefordert. Des Weiteren sollten Daten zur strafrechtlichen Verfolgung von Delikten erhoben werden.

Umfrage enthüllt schockierende Zahlen

Unter anderem in einem Video auf Facebook klärt Amnesty International Schweiz über sexuelle Gewalt auf und legt schockierende Fakten vor. Demnach gaben bei einer Umfrage die Hälfte der befragten Frauen an, schon mindesten ein Mal sexuell belästigt worden zu sein. Jede fünfte Frau habe ungewollte sexuelle Handlungen erlebt und zwölf Prozent seien bereits vergewaltigt worden. Allerdings würden nur acht Prozent der Opfer die Tat zur Anzeige bringen.

Bereits im Mai hatten Aktivistinnen und Aktivisten in Bern nach Veröffentlichung der Zahlen demonstriert.

Bundesrat sehe keine Notwendigkeit, Gesetze zu ändern

"Trotz des Aufschreis in der Öffentlichkeit ist der Bundesrat nicht von seiner bisherigen Linie abgewichen und behauptet weiterhin, dass eine Neu-Definition der Vergewaltigung nicht nötig sei", berichtete Manon Schick, die Geschäftsleiterin von Amnesty International Schweiz.

Dennoch hoffen die Beteiligten der Petition darauf, dass das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) die Notlage der Betroffenen erkennt und doch handelt.(sob)  © 1&1 Mail & Media / SN