In mehreren Kantonen startet am Montag wieder die Schule. Ein Bildungsexperte mahnt, dass sich die Schule in den letzten Jahren nur nach den Bedürfnissen der Mädchen gerichtet habe. Die Buben blieben auf der Strecke.

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Wie gut Kinder in der Schule abschneiden, liegt nicht nur an ihrem Können, sondern auch an ihrem Geschlecht: Schülerinnen haben bessere Noten und machen häufiger die Matura.

"Buben sind die Bildungsverlierer des vergangenen Jahrzehnts", sagt Jugendpsychologe Allan Guggenbühl zu "CH Media".

Klare Struktur und Frontalunterricht für Buben

Die Schulreformen der letzten Jahre und der Lehrplan 21 hätten sich ganz nach den Bedürfnissen der Mädchen gerichtet. Der Schwerpunkt liege auf Sprachen, selbstgesteuertem Lernen sowie sozialen und emotionalen Kompetenzen.

Buben jedoch "profitieren stärker von einer klaren Struktur und vom Frontalunterricht", erklärt Guggenbühl. "Die Schule lässt Buben heute nicht mehr Buben sein." Ihre Unruhe werde als Problem ausgelegt und Provokationen würden als soziale Inkompetenz interpretiert.

"Geschlechtsunterschiede gelten heute als Konstrukt", sagt der Jugendpsychologe. Diese würden jedoch in der Praxis sehr wohl eine Rolle spielen. "Es gibt unterschiedliche Interessen und Einstellungen." Bereits in der Lehrerausbildung solle deshalb mehr Wert darauf gelegt werden, was Buben und was Mädchen anspricht, rät Guggenbühl.

Anreize und Motivation schaffen

Man müsse die Kinder auch mal reizen: "Buben lernen gerne, wenn sie herausgefordert werden." Sie würden sich aber auch für Extreme interessieren, "zum Beispiel für Schlachten und Katastrophen". Diese Themen würden im Geschichtsunterricht jedoch abgeschwächt, um die Kinder nicht zu ängstigen.

"Nur weil ein Kind willensstark oder vorlaut ist, ist es noch lange nicht verhaltensauffällig", sagt Erziehungswissenschaftlerin Margit Stamm. Doch die Schulen sehen das anders: Die Zahl der Kinder mit diagnostiziertem ADHS ist stark angestiegen - die meisten davon sind Buben. Die Schweiz wurde bereits 2015 von den Medien als "das Land der Ritalin-Kinder" bezeichnet.

Für manche Buben gelte es jedoch auch als "cool", den Unterricht zu stören. Sie engagieren sich im Unterricht deswegen bewusst nicht. "In einigen Knabengruppen gilt Schulerfolg als unmännlich", sagt Stamm. Man müsse ihnen deswegen schon früh klarmachen, dass schulisches Engagement nicht typisch weiblich sei. (tae)  © 1&1 Mail & Media / SN

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