In der letzten Woche wurden in Italien und der Schweiz Razzien gegen die Mafia-Organisation 'Ndrangheta durchgeführt und dabei 75 Verdächtige festgenommen. Bundes-Staatsanwalt Sergio Mastroianni erklärt, wie die Mafia in der Schweiz vorgeht.

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Eine besonders grosse Polizeiaktion gegen die Mafia fand in der Aargauer Gemeinde Muri statt. Dort soll sich eine Zelle der kalabrischen 'Ndrangheta-Organisation befunden haben. Sergio Mastroianni, Staatsanwalt des Bundes, darf sich im Gespräch mit "blick.ch" nicht zu dem aktuellen Fall äussern, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.

Angst vor der Mafia habe er nicht, sagt er. "Wenn ich Angst hätte, wäre ich nicht Staatsanwalt des Bundes." Ausserdem erklärt Mastroianni: "Die Behörden schützen ihre Mitarbeitenden, die möglicherweise einer Bedrohungssituation ausgesetzt sein könnten."

"Der Kampf gegen organisierte Kriminalität ist keine Frage der Person", fügt der 56-Jährige an. "Netzwerke muss man mit Netzwerken bekämpfen."

Schweiz spielt grosse Rolle für die Geldwäsche der Mafia

Laut dem Bundes-Staatsanwalt spiele die Schweiz für einige kriminelle Organisationen eine besondere Rolle. Hier geht es oftmals nicht um das Geldverdienen, sondern um das 'Reinwaschen' von Vermögen", sagt er. "Sie drängen in legale Wirtschaftsbereiche. Und zwar in jeden nur denkbaren Bereich, in dem sich spekulieren lässt."

Für Berufsgruppen, die Aufträge oder Mandate für Drittpersonen übernehmen, sei dies ein Risiko, wenn sie überraschend ohne ihr Wissen Geschäfte mit der Mafia betreiben.

In der Schweiz trete die Mafia zurückhaltender auf als in Italien – ein Grund dafür sei, dass hierzulande das Geld gewaschen werde. "Um ihren Geschäftstätigkeiten nachgehen zu können, sind die meisten kriminellen Organisationen an Ruhe interessiert", sagt Mastroianni. Dies heisse jedoch nicht, "dass gravierende Ereignisse auszuschliessen sind".

Mafia-Organisation 'Ndrangheta ist eine der gefährlichsten in der Schweiz

Vor allem die Mafia-Organisation 'Ndrangheta weise eine "regelrechte Kolonialisierungstendenz" auf. Die kalabrische Vereinigung sei eine der gefährlichsten Gruppen in der Schweiz. "Die gefährlichsten Formen der organisierten Kriminalität sind jene, die über einen langen Zeitraum starke Verbindungen innerhalb des jeweiligen Territoriums knüpfen, sich also regelrecht einnisten", erklärt der Bundes-Staatsanwalt.

"Ein Kronzeuge hat mal erklärt, die zweite Sprache der 'Ndrangheta sei Deutsch", erzählt er. "Das heisst, dass die 'Ndrangheta nicht nur im Tessin präsent ist, sondern vor allem auch in deutschsprachigen Gebieten – etwa in der Deutschschweiz."

Wie geht man gegen die Mafia vor?

Es sei äusserst aufwändig, gegen die organisierte Kriminalität zu ermitteln. Zusätzliche Herausforderungen seien "die Strukturen und die Geschlossenheit der kriminellen Organisationen". Um sich gegen die Mafia zu wehren, brauche es im 21. Jahrhundert gute Verbindungen ins Ausland. "Die organisierte Kriminalität bewegt sich in einem globalisierten wirtschaftlichen Umfeld", sagt Mastroianni.

Für die Bekämpfung sei daher der "Einsatz von gemeinsamen Instrumenten, beispielsweise von gemeinsamen Ermittlungsteams" entscheidend. "Solche Formen der Zusammenarbeit bestehen bereits heute, insbesondere mit Italien", erklärt der Bundes-Staatsanwalt.  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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