Das Bundesasylzentrum in Zürich, das seit Anfang November betrieben wird, sorgt derzeit für Gesprächsstoff. Bewohner beklagten sich über "unmenschliche Bedingungen", weshalb der Stadtrat den Bund nun zum Einzugreifen ermahnte.

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Seit 1. November leben 150 Asylsuchende im Bundesasylzentrum Zürich West, das vom Staatssekretariat für Migration (SEM) geführt wird. Seit der Eröffnung wurden Stimmen laut, wonach die Unterkunft eher einem Gefängnis gleiche und nicht einem Ort der Sicherheit.

Der Gebäudekomplex gleiche einem Gefängnis

Asylbewerber berichteten laut dem Magazin "Das Lamm" von entwürdigenden Zuständen in der neuen Unterkunft. Schon an der Fassade finge es an: Das Gebäude sei hermetisch abgeriegelt, etwa durch einen unüberwindbaren Zaun, heisst es. Um das Zentrum verlassen zu können, müssten die Asylbewerber sich zuerst die Erlaubnis der Securitas-Mitarbeiter einholen. Diese würden den Ein- und Ausgang, der aus einer Schleuse mit vier Türen besteht, streng bewachen.

Ausserdem würden jedes Mal Ganzkörperkontrollen durchgeführt, sollte jemand die Unterkunft betreten wollen. Auch bei Kindern werde keine Ausnahme gemacht. Und: Immer wieder würden den Bewohnern Gegenstände, die sie draussen erstanden haben, entzogen. Dazu zählten verdorbene Lebensmittel, aber auch Schminkutensilien. Um zu prüfen, ob ein Gegenstand gestohlen wurde, müsse zudem jedes Mal eine Quittung vorgezeigt werden.

Strenge Zeitvorschriften müssen eingehalten werden

Ein weiterer Kritikpunkt: Bestimmte Zeiten müssten strikt befolgt werden. "Wer um fünf nach acht zum Frühstück erscheint, also fünf Minuten zu spät, erhält kein Essen mehr", berichtet eine Quelle dem Magazin. Auch die Schlafenszeit werde streng überwacht: Um 22 Uhr herrsche Bettruhe. Dabei bleibe es aber laut der Bewohner nicht. Securitas-Mitarbeiter stürmten demnach schon oft mitten in der Nacht in die Schlafsäle, um die Nachtruhe durchzusetzen.

Durch solch eine Aktion habe ein Asylbewerber einen epileptischen Schock bekommen und musste ins Spital gebracht werden. Weiter erzählten die Bewohner, dass bereits mehrere vor dem Gebäude schlafen mussten, da ihnen nach 20 Uhr unter der Woche und 22 Uhr an den Wochenenden der Eintritt verwehrt wurde.

Asylbewerber protestierten

Um auf die "unmenschlichen Bedingungen" aufmerksam zu machen, protestierten rund dreissig der Bewohner vergangene Woche während einer Mitarbeiter-Führung durch das Bundesasylzentrum. Dabei seien sie allerdings einfach ignoriert worden, erzählten sie. Einmal hätten die Securitas-Mitarbeiter eingegriffen.

Züricher Stadtrat möchte Klarheit

Einzelne Stadträdte in Zürich, unter ihnen Raphael Golta von der SP, bestätigten einige Aussagen der Asylbewerber. Es sei kein Geheimnis, dass die Betriebsaufnahme und der Betrieb nicht gelaufen sei. "So wie der Start verlaufen ist, erfüllt das Bundesasylzentrum das Ziel des Stadtrates nicht, eine menschenwürdige Unterbringung von geflüchteten Menschen zu ermöglichen.", sagte Golta im Interview mit "20 min". Es sei nun wichtig, Licht ins Dunkel zu bringen.

Das Staatssekretariat für Migration dementiert die Vorwürfe

"Von einer menschenunwürdigen Unterbringung kann keine Rede sein.", verteidigte Daniel Bach, Leiter der Kommunikation im DEM, die Vorwürfe vor "20 min". Es würden lediglich die Regeln, die auf Bundesebene gemacht werden, befolgt. Die genannten Kontrollen seien Vorschrift und zum eigenen Schutz der Bewohner gedacht.

Auch die strengen Zeitregelungen seien konform, denn an Hausordnungen müsse sich gehalten werden, wenn ein Zusammenleben so vieler Menschen gelingen solle. Weiter dementierte er den Vorwurf, alle Quittungen würden kontrolliert werden. Das sei nur der Fall, wenn ein Asylbewerber einen teuren Gegenstand ins Zentrum brächte. Und: Wer das Frühstück verpasse, könnte sich eine Zwischenverpflegung holen. (sob)   © 1&1 Mail & Media / SN

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