Jeder dritte Schüler soll regelmässig die Schule schwänzen. Wer dem Unterricht fernbleibt, muss auf bestimmten Berufsschulen mit Bussgeldern rechnen - doch die abschreckende Wirkung scheint verpufft zu sein.

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Strandtuch statt Schulbank, Party statt Prüfungsstress: Immer häufiger schwänzen Schweizer Schüler. Wie das Magazin des Schweizer Lehrverbands "Bildung Schweiz" berichtet, nimmt sich jeder dritte Schüler regelmässig eine Pause vom Unterricht.

Wer einer Lektion auf einigen Berufsschulen fernbleibt, kann seit einigen Jahren mit einer Busse belegt werden. Doch auch die durchschnittlich etwa 50 Franken pro Lektion sollen Schüler inzwischen nicht mehr am Blaumachen hindern. "20min.ch" sprach mit dem Berufsbildungszentrum Schaffhausen, dort haben sich alleine im letzten Jahr über 40.000 Franken an Bussgeldern angehäuft, wie Rektor Christian Rohr bestätigt.

Obwohl die Bussen anfangs deutlich Wirkung gezeigt hätten, lasse das laut Rohr nun merklich nach. Inzwischen sei es sogar eine Art Kosten-Nutzen-Frage geworden. "Einige Eltern rechnen etwa aus, was billiger kommt: den Heimflug einen Tag später nach Hause nehmen oder die Busse bezahlen", so Rohr.

Online-Abwesenheitslisten für Lehrbetriebe

Andere Schulen wie die Wirtschaftsschule KV Zürich versuchen, Bussgelder zunächst zu vermeiden und mit Online-Abwesenheitslisten auf Probleme einzelner Schüler aufmerksam zu machen. "Fehlt jemand regelmässig unentschuldigt, kann ab dem zweiten Mal Schwänzen ein Verweis ausgesprochen werden", sagt Rektor Christian Wölfle - das koste dann wiederum eine Gebühr von 180 Franken. Ähnliche Wege gehen etwa auch die Berufsfachschulen in Uster oder Aargau.

Doch wohin fliesst das ganze Geld der Schwänzer? Viele Berufsschulen, wie beispielsweise das Solothurner Berufsbildungszentrum Olten, nutzen die Schwänz-Bussen für die Finanzierung von Exkursionen, Diplomfeiern oder neue Wasserspender.

Lösung des Problems

Dass das Thema Schulschwänzen generell mehr thematisiert werden soll - davon ist Margrit Stamm überzeugt. Die 69-jährige Erziehungswissenschaftlerin und emeritierte Professorin der Universität Freiburg hat sich schon mehrfach der Problematik des "Schulabsentismus" gewidmet und sieht sie als erstes Symptom deutlich schwerwiegenderer Probleme, wie sie "blick.ch" berichtet.

Falsche Toleranz sei fatal. Viel besser sei es ihrer Meinung nach hingegen, "dass die Schüler, die zum Schwänzen tendieren, eine engere Beziehung zur Lehrperson haben und spüren, dass man sie auch wirklich im Unterricht haben will." (jkl)  © 1&1 Mail & Media / SN

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